Ägyptischer Eseljunge in Port Said.
Bei der Besichtigung von Port Said darf man aber nicht unterlassen, das Denkmal Ferdinand von Lesseps', des Erbauers des Suezkanals, zu erwähnen. Das stattliche Monument ist aus Bronze gegossen und stellt die ganze Figur dieses großen Mannes dar, der in zehn Jahren mit eiserner Energie und unsäglicher Mühe unter angestrengter Tätigkeit die Durchstechung und Kanalisierung des Isthmus von Suez zustande gebracht hat. Auf einem Granitsockel erhebt sich eine hohe Säule und auf dieser steht das Standbild. Den Blick auf den Kanal gerichtet, hält er in der einen Hand, halb aufgerollt, die Karte desselben. Das Denkmal selbst ist auf einem Ende eines aus Quadersteinen hergestellten Dammes errichtet, welcher ziemlich weit ins Meer hineinläuft, so daß es von weitem den Anschein hat, als erhebe sich das Denkmal direkt aus dem Wasser heraus. Ein herrlicher Anblick! Der Gesichtsausdruck dieses Mannes zeigt einen unbeugsamen Mut, verbunden mit Energie und Arbeitsamkeit. Ich schrieb am Fuße dieses Denkmals Ansichtspostkarten und zwar eine an meinen Freund in der Heimat, die folgendermaßen lautete: »Vom Suezkanal und von Lesseps hört man oft, aber wenn man selber den Kanal passiert und vor dem Denkmal dieses großen Mannes steht, kann man nicht umhin, mit Hochachtung an ihn zu denken und seine großartige Willenskraft zu bewundern. Bedenken und Hindernisse verschiedener Art: politischen Widerstand, diplomatische Schwierigkeiten, heftige Beschuldigungen seiner Gegner, argwöhnische Vermutungen der Pforte, Eifersucht der englischen Regierung und Gott weiß was nicht noch alles hat der Mann zu bekämpfen gehabt! Und der Segen erst, den die den Kanal passierenden Reisenden und Schiffe heutzutage genießen! Mit Recht gilt der Mann als ein Held des Friedens!«
Eine zweite Karte sandte ich an meinen Jungen:
»Von Lesseps kannst Du was lernen! In ihm findest Du wieder, was Dir Zeit Deines Lebens nottut und vielen Menschen so sehr mangelt: Beharrlichkeit und Unbeugsamkeit. Willst Du Sieger bleiben im harten Wettstreit Deines Lebens, sieh Dir dieses Bild an und behalte fest im Kopfe das eine Wort: Willensstärke!«
Noch nach tausenden von Jahren wird dieses Denkmal hier stehen, werden die Taten dieses Mannes der ganzen Menschheit zum Segen gereichen, man wird ihn ewig preisen und nie vergessen. –
Nachdem wir uns wieder an Bord begeben hatten, kam ein Trupp italienischer Musikanten, ein paar Männer und Frauen, auf das Schiff, welche die Passagiere teils mit Mandolinenspiel, teils mit Gesang belustigten. Auch wir hörten einige Zeit zu und fanden, daß sie ihre Sache gut machten, wie auch, daß die italienischen Mädchen hübsche Gestalten hatten.
Nicht lange danach begrüßte unser »König Albert« das Mittelländische Meer, das uns nunmehr unserem weiteren Ziele zuführen sollte.