A. »Da ich mich einmal Ihren Meisterhänden anvertraut habe, so machen Sie nur, wie es Ihnen gefällt! Die Verantwortlichkeit liegt ganz bei Ihnen.«

B. »Sehr gut, mein Herr! Sie brauchen nicht im geringsten besorgt zu sein! Mit diesem Brenneisen werde ich nun Ihren Schnurrbart ausziehen. So...., ach wie schneidig Sie nun aussehen! Sie sehen wie ein echter Deutscher aus! Aber zu einem eleganten Herrn ist ein Parfüm wohl unentbehrlich. Kaufen Sie doch ein Fläschchen, ich habe alle Sorten in meinem Schrank vorrätig – hier, das ist Veilchen... o, wie schön das riecht!... dies hier ist Heliotrop, auch was Feines... Das Kostbarste ist aber dieses Fläschchen, Herr! Das ist Rosenöl... der edelste Tropfen überhaupt, den es gibt!«

A. »Sie verstehen Ihre Sachen gut anzupreisen, Herr Barbier! Sie sind ein tüchtiger Geschäftsmann, vor dem man auf seiner Hut sein muß. Doch werde ich Ihnen zu Liebe ein Fläschchen abkaufen, es sei denn, daß Sie Ihre Sachen nicht so teuer losschlagen.«

B. »I, Gott bewahre! Daß ich der reellste Mensch bin, das wissen ja alle Mannschaften und Passagiere des »König Albert.« Außerdem sind alle meine Sachen zollfrei und Sie werden sie ebenso billig kriegen wie in Deutschland... Ist Ihnen denn sonst nichts gefällig? Hier, diese Schnurrbartbinde? Kämme? Pomade?«

Da aber seine Aufmunterungen zu weiteren Ankäufen bei mir nicht verfangen wollten, so schlug er ein anderes Thema an, indem er sagte:

B. »Hören Sie, mein Herr! Die Haare der Herren Japaner sind doppelt so stark wie die der Europäer. Meine Werkzeuge werden demnach doppelt so schnell stumpf. Außerdem fliegen die struppigen Haare im Zimmer umher und ich muß meine Augen wohl in Acht nehmen.«

Ich merkte aus seinen Reden heraus, daß er auf ein tüchtiges Trinkgeld reflektierte und sagte ganz verschmitzt:

A. »Ganz recht! Die Arbeit eines Barbiers mag wohl eine recht schwere sein, besonders wenn er einen unserer Landsleute unter seiner Schere hat. Aber ein geschickter Meister wie Sie weiß in allem Bescheid. Ihnen macht wohl ein so eigenartiges Haar wie das unsrige viel Spaß beim Schneiden, nicht wahr?«

In der Tat hatte aber der Barbier recht. Denn durch den Luftzug des Ventilators, der sehr gut funktionierte und die drückend heiße Luft der Barbierstube bedeutend herabsetzte, flogen unsere struppigen Haare in dem Raum umher, daß die Insassen nicht wenig davon belästigt wurden. Im großen und ganzen habe ich gesehen, daß der deutsche Barbier bei weitem ungeschickter ist als der unsrige. Außerdem ist letzterer viel peinlicher und vorsichtiger. – In Schweiß gebadet, mit Haaren bedeckt, kam ich, eine kleine Flasche Parfüm in der Hand und unter dem Kinn den winzigen Schnurrbart, den letzten Rest meines ehemaligen Vollbartes, zurück. Einmal und nicht wieder! – Später erfuhr ich, daß es allen meinen Landsleuten ebenso ergangen war und daß jeder eine Flasche Parfüm erstanden hatte.

Der japanisch-russische Krieg.