Kaum aber waren ein paar Stunden verlaufen, so ließ er sich abermals bei mir blicken, und war diesmal von einer Art Gerichtsperson oder Notarius begleitet, der mir einen langen schriftlichen Aufsatz von anderthalb Bogen vorlegte, mit dem Ansinnen, daß ich meinen Namen unterzeichnen möchte. – »Unter eine Schrift in einer Sprache, die ich nicht verstehe?« gab ich zur Antwort. – »Mit nichten, meine Herren! Geht damit, wenn es euch beliebt, zum Preußischen Konsul. Dort werde ich mich gleichfalls finden lassen.«
In der Tat war sofort mein nächster Gang zu diesem Konsul, namens Schuhmacher, gerichtet, um ihn von dem unangenehmen Vorfalle vollständig zu unterrichten und mich mit ihm zu beraten. Sein Gutachten fiel dahin aus, daß ich nachmittags mit meinem Schiffsvolke vor ihm erscheinen sollte, um in Gegenwart eines Notarius über den wahren Verlauf der Sache eidlich vernommen zu werden. Auf dem Rückwege stieß ich auf meinen Korrespondenten Bulkeley, und nachdem ich in dessen Kontor getreten, benachrichtigte er mich, daß soeben Kapitän Sylva ihm über das bewußte Ereignis eine schriftliche Erklärung vorgelegt, die er auch unbedenklich mit meiner Namensunterschrift versehen habe.
»Wie?« rief ich, hoch verwundert – »unterschrieben mit meinem Namen? Unterschrieben ohne mein Wissen und Einwilligung? – Von diesem Augenblicke an, Herr, hören Sie auf, mein Korrespondent zu sein, und bevor ich meinen Fuß aus Ihrem Hause setze, fordere ich, daß Sie mir den Abschluß meiner Rechnung vorlegen.« – Er zauderte, ich aber erklärte ihm so bestimmt, ich würde ohne Abrechnung nicht vom Platze weichen, daß er sich endlich meinem Verlangen fügen mußte.
Es war notwendig, den Konsul augenblicklich von diesem Schurkenstreiche in Kenntnis zu setzen. Wie vollkommen aber sein Betragen diesen Namen verdiente, entwickelte sich erst nachher, da es an den Tag kam, daß dieser nämliche Bulkeley Reeder des Schiffes war, welches Kapitän Sylva führte. – »Ruhig, mein Freund!« tröstete mich der Konsul. – »Treffen Sie nur schleunige Anstalt zur gerichtlichen Vernehmung Ihrer Leute, und lassen Sie mich dann für das übrige sorgen.« – Jenes ward auch gleich am nächsten Morgen mit allen Förmlichkeiten bewerkstelligt; und während ich das Original dieser Erklärung in des Konsuls Hände niederlegte, versäumte ich nicht, durch den Notarius eine beglaubigte Abschrift ausfertigen zu lassen, die ich für mich selbst zurückbehielt.
Noch erklärte ich meinem wackeren Beschützer meine Absicht, binnen zwei oder drei Tagen die Anker zur Abfahrt zu lichten, daß ich aber von meinem Widersacher jede Art von Schikane und also auch wohl eine Beschlagnahme meines Schiffes bis zu ausgemachter Sache erwarten müßte. »Dann«, erwiderte er, »bin ich es, der Kaution für Sie leistet, und wenn Sie abgesegelt sind, den Prozeß für Sie führt.« – So getröstet nahm ich nun in aller Gemächlichkeit den Rest meiner Salzladung ein, und ging des dritten Tags darauf unter Segel, ohne daß es auch einem Menschen nur einfiel, mir etwas in den Weg zu legen.
In die Stelle der entlaufenen drei Engländer, die mir zu meiner vollen Bemannung fehlten, glückte mir's noch am Tage vor meiner Abreise, zwei schwedische Matrosen ähnlichen Schlags zu erhalten, daneben aber auch noch einen dienstlosen Engländer auszukundschaften, den ich in seiner Schlafstelle aufsuchte und für meinen Dienst annahm. Freilich mußte ich ihn bei seinem Wirte erst mit einem vollen Monatsgehalte auslösen; doch gerade darauf mochte der Kerl spekuliert haben, denn kaum war er mit mir auf der Straße, so versuchte er, mir wieder zu entlaufen, so daß ich hinter ihm drein schreien mußte, bis er von anderen Leuten festgehalten wurde, ich mich seiner versichern und ihn in meine naheliegende Schaluppe bringen lassen konnte.
Es war begreiflich, daß der Mensch sich unter diesen Umständen auf meinem Schiffe wohl nicht sonderlich gefallen mochte. Das bewies er auch am nächsten Morgen, wo wir in See gehen wollten, indem er sich der Länge nach aufs Verdeck streckte, nicht arbeiten mochte und krank zu sein vorgab.
Als wir zum Tajo herausgekommen waren, machten wir die unangenehme Entdeckung, daß unser Schiff viel Wasser einließ. Anfangs meinten wir, daß, da wir so lange ledig gelegen und hohen Bord gehabt, die Fugen mancher Planken durch die Sonnenhitze voneinander getrocknet sein möchten, und daß diese Nähte unter Wasser bald wieder zuquellen würden. Allein der Leck nahm so überhand, daß wir das Schiff bald mit beiden Pumpen kaum über Wasser halten konnten. Zudem stand der Wind vom Lande, und es war also unmöglich, wieder in den Hafen zurückzusteuern.
In dieser Not lag uns alles daran, den schadhaften Fleck auszufinden, um ihn zu stopfen. Man weiß, wie klar und durchsichtig die Gewässer des atlantischen Ozeans in dieser Gegend sind, und daß man darum ziemlich deutlich auch in eine größere Tiefe sehen kann. Da fand ich denn endlich, daß an der Seite, und ungefähr vier bis fünf Fuß tief unter Wasser die Späne von der äußeren Haut abstanden. – Also wohl unstreitig ein Andenken an unser Zusammenstoßen mit jenem portugiesischen Schiffe und die Ursache unseres immer bedenklicher werdenden Lecks!