Je unmöglicher es war, daß wir unser Schiff mit den Pumpen so über See tragen konnten, desto unerläßlicher mußte ein Pflaster über die wunde Stelle befestigt werden. Ich ließ sogleich eine Zitronenkiste zerschlagen, zerschnitt meine Bettdecke, teerte und talgte sowohl diese als jenen Kistenboden an beiden Seiten, heftete beide mit kleinen Nägeln aneinander, bohrte am Rande acht oder zehn Löcher, steckte in jedes derselben einen größeren Nagel, den ich, damit er nicht herausfiele, mit etwas Werg umwickelt hatte, und sann nun darauf, wie dies Pflaster an die rechte Stelle zu bringen wäre.

Es gab kein anderes Mittel, als daß einer von meinen Leuten sich entschlösse, sich rittlings auf dem vierarmigen Bootsanker zu befestigen und unter Wasser bis zu dem Leck hinabzulassen, das präparierte Brett auf den zerstoßenen Fleck zu passen und mit dem an die Hand gebundenen Hammer schnell, ehe ihm der Atem entginge, festzuklopfen. Ich schlug dies der Mannschaft vor, allein keiner hatte Lust zu dieser Wasserfahrt. Ich bot dem, der es wagen würde, eine Monatsgage, niemand meldete sich, sie zu verdienen. Ich stellte ihnen aufs nachdrücklichste vor, daß, wenn sie dies kleine Wagnis so sehr scheuten, wir ja doch ohne Barmherzigkeit alle ersaufen müßten. Ich bat, ich flehte, ich schalt und drohte, aber die feigen Seelen sahen mich verdutzt an und blieben bei ihrem Kopfschütteln.

»Nun denn,« sagte ich endlich, »so will ich selbst der Mann sein, der sein Leben für euch H...r in die Schanze schlägt!« – Dieser Entschluß entstand auch um so weniger aus Prahlerei, da ich als junger Bursche mit meinen Spielkameraden das Schwimmen und Untertauchen fleißig geübt hatte und oftmals unter dem Wasser geblieben war, bis die Bestehenden langsam dreißig zählten. Hoffentlich hatte ich diese kleine Kunst in den drei Dutzend Jahren nicht ganz wieder verlernt, und sollte ich denn doch ertrinken, so konnte mir die Art und Weise wohl ziemlich gleich gelten.

So nahm ich also getrost meinen Platz auf dem Bootsanker, dessen Tau meine Leute oben in die Hände fassen und mich daran in die bezeichnete Tiefe hinablassen mußten. Nach meiner Anweisung sollten sie von dem Augenblicke an, wo ich mit dem Munde unter Wasser käme, sekundenmäßig zu zählen anfangen und mich, wenn sie bis fünfundzwanzig gekommen wären, hurtig wieder emporziehen. Ich meinesteils hastete mich soviel ich vermochte; zwei bis drei tüchtige Schläge auf jeden Nagelkopf, und das Brett saß an der rechten Stelle fest; während der Zug des Wassers nach innen das übrige tat, die Fasern der Decke in die offenen Fugen dicht einzusaugen. Kurz, ich war fertig, aber die droben dachten noch immer an kein Hinaufziehen. Endlich nach einigen Sekunden brachten sie mich wieder an Gottes freie Luft, und so war das Abenteuer glücklich bestanden!

Nun kam es darauf an, zu erfahren, was wir damit gewonnen hatten. Wir eilten an die Pumpen, die nunmehr das eingedrungene Wasser bemeisterten und sichtbar verminderten. Der Leck hatte wirklich so abgenommen, daß wir uns getrauen durften, mit einer Pumpe die See zu halten. Wunderbar aber blieb unsere Rettung nicht minder, als wenn, wie mir ein Beispiel bekannt geworden, ein ähnlicher Leck durch eine, in die offene Fuge eingeklemmte Flunder gestopft ward; oder wenn ein Schiffer von meiner Bekanntschaft im Danziger Neufahrwasser den seinigen nur dadurch unschädlich machte, daß er vorbedächtig längs den Seiten des Schiff eine Menge Torf-Mull ins Wasser schütten ließ, welches sich durch den unmerklichen Wasserzug in alle Ritzen und Spalten der Planken festsetzte.

Als wir in den Kanal gelangten, stießen wir auf ein englisches Kriegsschiff, welches meine Schiffspapiere zu sehen verlangte. Ich erwiderte, daß ich zur Vorzeigung an meinem eigenen Borde bereit wäre. So kam denn ein Offizier zu mir herüber; doch während er in der Kajüte die geforderte Untersuchung anstellte, machte sich mein oben erwähnter englischer Matrose an seine Landsleute in der Schaluppe, und in welchem Sinne er mit ihnen gesprochen, ergab sich, als ich meinen Gast aus der Kajüte zurückbegleitete, da jene Engländer ihrem Leutnant meinen Matrosen vorstellten, der wider seinen Willen hier zurückgehalten würde, Lust hätte, auf jenem englischen Schiffe zu dienen.

»Den Menschen nehm' ich auf der Stelle mit,« wandte sich der Offizier an mich, »Ihr habt kein Recht an ihn.« – »Nun,« war meine Antwort, »so will ich doch sehen, wer mir in offener See auch nur meinen schlechtesten Kajütenjungen, wider meinen Willen, wegnehmen soll. Dazu fehlt es Ihnen an Fug und Recht.« – Doch der Matrose hatte nicht für gut gefunden, das Ende unseres Wortwechsels abzuwarten, sondern war bereits in die Schaluppe gesprungen. Ich bedachte mich keinen Augenblick, ihm dahin nachzufolgen, und war darüber her, ihn, wie sehr er sich auch sträubte, an Bord zurückzuziehen, bis auch der Leutnant herabkam und verlangte, daß ich die Schaluppe verlassen sollte.

Natürlich weigerte ich mich, und selbst als er drohte, daß er abstoßen und nach seinem Schiffe fahren werde, versicherte ich, daß ich gesonnen sei, ohne meinen Matrosen nicht vom Flecke zu weichen. Schleppe er mich dann aber nach dem Kriegsschiffe hinüber, so bliebe das meinige und alles, was demselben begegnen könne, auf seine Gefahr und Verantwortung. Indes setzten sie wirklich mit der Schaluppe ab, und ich behielt kaum die Zeit, meinem Steuermanne zuzurufen, daß er sich, solange ich nicht wieder an Bord käme, in der Nähe des Kriegsschiffes halten möchte.