224. Die Winselmutter bei Grünhain.

(Nach Ziehnerts poet. Bearbeitung bei Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, No. 530.)

In der Nähe von Grünhain fließt der sogenannte Oswaldsbach. An demselben soll um die Mitternachtsstunde ein gespenstischer Schatten auf- und niederhuschen, der beständig Klagetöne ausstößt. Das Volk nennt denselben die Winselmutter und erzählt sich, einst habe ein Jüngling, dem seine Geliebte die Treue gebrochen, in dem genannten, an vielen Stellen sehr tiefen und reißenden Bache seinem Leben ein Ende gemacht; seine ihn liebende Mutter habe ihn darauf sieben Tage lang aufs sorgfältigste gesucht, aber doch seinen Leichnam nicht wiederfinden können, und so sei sie zuletzt selbst an Erschöpfung und gebrochenem Herzen gestorben. Weil sie dabei gegen Gottes weise Fügung gemurrt, so sei es nun ihr Los, ewig den Körper ihres ertrunkenen Sohnes unter steten Klagen und Wimmern suchen zu müssen.

Die Sagen von der Klagefrau, Winselmutter oder Wehklage sind auch dem Vogtlande und der Lausitz nicht fremd. Im Vogtlande stellt man sich jedoch das Gespenst nicht in menschlicher Gestalt, sondern als Kalb oder Schaf mit feurigen Augen vor, oder es wird als unförmliches Wesen beschrieben. (Köhler, Volksbrauch etc., S. 478.)

225. Irrlichter bei Annaberg und Scheibenberg.

(Chr. Lehmann, Hist. Schauplatz, S. 421. Moritz Spieß, Aberglauben etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. 1862, S. 39.)

Am Schottenberge unter Annaberg giebts alte Bergkessel und Bingen, an denen der Fußsteig vorbei geht. Daselbst sind etlichemal bei Nacht, sonderlich zur Winterszeit, Reisende von Irrlichtern bethört und in Löcher und tiefen Schnee geführt worden, so daß man sie auf ihr jämmerliches Schreien und Rufen mit Laternen aufgesucht und gerettet hat.

Im Jahre 1683 ging ein Witwer mit seiner Braut beim Scheibenberger Gottesacker vorbei und sagte: »Da drinnen liegt mein voriges liebes Weib.« In dem Wort blendet sie ein Licht und umgiebt sie ein Feuerschein zweimal, so daß sie mit Schrecken davon gelaufen sind.

Auch bei der Grube »Dorothea« auf Geiersdorfer Gebiet und bei der Grube »Stern« auf Mildenauer Revier läßt sich zu gewissen Zeiten ein Lichtlein sehen.

226. Die Staatslaterne bei Geyer.