Im Zusammenhange mit dem Zaubern steht auch das Beschwören, d. h. ein Zaubern durch Segensformeln, sowie das die Zukunft enthüllende Wahr- und Weissagen; letzteres geschah einst bei germanischen Völkern durch das Auflesen der auf ein Tuch geworfenen Runen. Besonders wurde die Kraft der Weissagung den mit einem reizbaren Nervensystem begabten und mehr von der Außenwelt abgezogenen Frauen, welche deshalb bei den alten Deutschen Priesterinnen und Wahrsagerinnen zugleich waren, zugeschrieben; sie waren auch die Wisserinnen mancher Geheimnisse, und sie kannten die heilende Kraft der Kräuter, so daß sich daraus später der Glaube des Mittelalters an Hexen und Hexerei entwickelte. Wie das Christentum den Begriff zaubernder Frauen bereits bei dem Heidentume vorfand und nun vielfach veränderte, so läßt sich bis in die Gegenwart in dem ganzen Hexenwesen noch ein offenbarer Zusammenhang mit den Opfern, den vielfach mit religiösen Veranstaltungen verbundenen Volksversammlungen und der Geisterwelt der alten Deutschen nachweisen. (J. Grimm, a. a. O., S. 587.) Es mag nur daran erinnert werden, daß die Hexen nach den Volksüberlieferungen am Walpurgis- oder Hexenabende fast immer nach Orten durch die Luft fahren, welche ehemalige Gerichts- oder Opferplätze sind. Ob übrigens die »Drutenau«, mit welchem Namen man schon seit Jahrhunderten das Thal von Auerhammer bezeichnet, ein solcher Platz war, mag dahin gestellt bleiben; die Drut, welche teilweise die Frau Holle oder Perchtha vertritt und mit der man in der Schweiz lärmende Kinder beschwichtigt, gilt häufig auch als Hexe. Eine solche erkennt man nach dem Glauben der Erzgebirger an den Platt- oder Drudenfüßen, an den roten Haaren, den roten, triefenden Augen und großen, buschigen, über der Nase zusammengewachsenen Augenbrauen. (Spieß, Aberglauben etc., S. 29.) Das Behexen richtet sich hauptsächlich auf das Vieh und Getreide der Nachbarn; in unsern Sagen wird dadurch gute Milch in blutige verwandelt. Außerdem schreibt der Volksmund noch das Beschreien, wobei jemand wegen irgend einer guten Eigenschaft gelobt wird, damit dann das Gegenteil davon eintrete, der Hexerei zu. Als Schutz gegen Zauberei und Hexerei gelten Kreuzeszeichen an der Thüre, das Durchkriechen unter sogenannten Schleifbrämen, das Versprechen und anderes mehr.
Nach dem Volksglauben stehen nicht bloß die Hexen, sondern überhaupt alle Zauberer in einem Bunde mit dem Teufel. Die ersten Überlieferungen von solchen Bündnissen des Teufels mit Männern finden sich bereits im 10. Jahrhunderte, während die erste sichere Erwähnung eines Bundes des Teufels mit Hexen in der Mitte des 14. Jahrhunderts in Italien vorkommt. Jacob Grimm vermutet dabei, daß die Veranlassung zu dem Glauben an Teufels- und insbesondere Hexenbündnisse in der Verfolgung der Ketzereien, welche in der Mitte des 13. Jahrhunderts von Italien und Frankreich nach Deutschland kam, zu suchen sei. Man legte den Zusammenkünften der Ketzer abgöttische Ausschweifungen zur Last und die Kirche eiferte gegen die neuen Irrlehren und Überreste des Heidentums, welche sich jenen da und dort zugesellten. (Deutsche Mythologie, S. 600.)
In unsern Sagen wird der Teufel zur Dienstleistung citiert, oder er wird durch Beschwörungen in Fliegen- oder Hummelgestalt aus Personen ausgetrieben. Durch gewisse Zauberformeln, welche in geheimnisvollen Büchern stehen, werden die höllischen Geister in verschiedenen Gestalten, hauptsächlich als schwarze Vögel, herbeigerufen. Mit Hülfe des Teufels verbreitet sich die Pest, und Speisen werden so fest gemacht, daß man nichts davon abschneiden kann. Durch teuflische Künste festgemachte Personen können auf gewöhnliche Weise nicht verwundet werden; dies gelingt erst durch einen abgeschossenen Dukaten oder silbernen Knopf, oder durch einen Degen, welchen man zuvor unter dem Schuh durch die frische Erde oder durch ein Brot gezogen, oder dessen Spitze man wenigstens vorher in die Erde gestoßen hat.
Die musicierenden und tanzenden Katzen erscheinen offenbar als Hexentiere. Katzen werden aber auch als Wesen gedacht, von deren Lebensdauer der Bestand der Familie abhängt. (Rochholz, a. a. O. I., S. 160); zuweilen verkündigen sie etwas Erfreuliches. Bei uns sagt man, daß eine über den Weg laufende Katze, besonders eine schwarze, Unglück bedeutet. Wenn eine Katze sich putzt oder einen krummen Rücken macht, so kommt Besuch. – Wie als Kühe und Ziegen hat man sich die Wolken auch als Katzen gedacht, und man meinte weiter, daß die in den Wolken waltenden Weiber die Gestalten von Katzen annehmen könnten; daher nennt man die durch Luft und Wolken ziehenden Hexen auch Wetter- und Donnerkatzen. (Mannhardt, a. a. O., S. 90.) – Katzen zogen den Wagen der Freya.
255. Der Schwarzkünstler zu Geyer.
(Lothar, Volkssagen und Märchen. 1820. S. 69. Darnach Gräße, Sagenbuch d. K. S., No. 450.)
Vor vielen Jahren ward zu Geyer ein Totengräber gefangen genommen und in einen Turm gesetzt, so daß er mit den Füßen die Erde nicht hat berühren können. Man glaubte nämlich früher, daß Zauberer und Hexen, wenn sie die Erde nicht mehr berühren könnten, unschädlich würden, und sperrte sie daher oft in eiserne Käfige ein. Der genannte Totengräber hatte seine Frau ermordet, ihren Mund mit schwarzen Beeren angestrichen, als sei sie an der Pest gestorben, alsdann ihr den Kopf abgeschnitten, das Herz aus der Brust genommen, verbrannt, solches auf die Straße ausgestreut und wer darüber gegangen, ist gestorben. Seines Kindes Kopf hat er an die Feuermauer gehängt; so viele Tropfen Blutes von ihm gefallen, so viele Menschen sind gestorben. Dann hat er die sterbenden Leute aufs Gesicht gelegt und ihr Sterben hat kein Ende genommen. Drei Ruten hat dieser Mann ausgesteckt, eine nach Annaberg, die andere nach Schweinitz, die dritte nach Alterle (Elterlein?). Zuletzt hat er erzählt, wie viel Glück er mit seiner Kunst in großen Städten gemacht habe. Er meinte, wenn er nur die Erde oder einen Kreuzweg oder eine Dachtraufe erreichen könnte, so wollte er sich schon die Freiheit verschaffen.
Blutstropfen sind Symbole für die Seele. Drei frische, auf die Hand fallende Blutstropfen zeigen einer Mutter den Tod ihres gemordeten Kindes an. (Grimm, Deutsche Sagen, No. 353.)
Jacob Grimm bemerkt (Deutsche Myth., S. 607), daß früher der Glaube verbreitet gewesen sei, eine Hexe könne sich verwandeln, sobald sie die Erde berühre. Eine Frau in Zittau, welche als Hexe galt, wurde, damit sie die Erde nicht berühre, im Stockhause frei aufgehängt. Ähnliches geschah 1678 in Bautzen mit einem Räuber und Mörder, der den Teufel hatte. (Pescheck, Gesch. v. Zittau, II. S. 746.)