Ähnliches begab sich 1639 in Grünhain. Ein junger Fleischer hatte sich bei den damals auf Scharfenstein liegenden Schweden fest machen lassen; davon wurde er so blutdürstig und unbändig, daß er beim Trunk keines Menschen Freund war. Als er sich aber verheiratete und in die Zunft aufnehmen ließ, trachtete die Freundschaft darauf, wie er die Festigkeit los werden möchte. Man brauchte allerlei Mittel, aber vergebens, bis endlich einer die Teufelei aus dem Leibe purgierte und eine Hummel von ihm kam.

Sowohl die römische als auch germanische Götterlehre erzählt uns von Göttern, welche unverwundbar waren. Cygnus, der Sohn Neptuns, konnte von keinem Pfeil verwundet werden und ebenso wurde Baldr durch die Gunst seiner Mutter Frigg gegen alle Waffen geschützt. Nur das Holz des Strauches Mistiltein (Loranthus europacus) tötete ihn, da Frigg von demselben keinen Eid gefordert hatte. Wie Götter wurden auch Helden unverwundbar. Siegfried badete sich im Drachenblute, das seine Haut fest gegen Waffen machte; nur wo das Lindenblatt zwischen seinen Schultern gelegen, war er verwundbar. Im Mittelalter hielt man die sogenannte Waffensalbe, die Gemskugel, die Wurzel Doronicum, das Nothemde u. s. w. für Mittel, um sich waffenfest zu machen. (Nork, Sitten und Gebräuche d. D. S. 707). Auch die Lausitzer Sage erzählt von Hieb- und Stichfesten. Das Garn zu einem Nothemde, welches auch hier als Zaubermittel dient, muß von einem Mädchen unter 7 Jahren gesponnen, die Nähte müssen mit Kreuzstichen gemacht und schließlich müssen noch drei Messen darüber gelesen werden. (Haupt a. a. O. I. N. 240.)

272. Der Räuber Hartenkopf bei Zelle ist kugelfest.

(Gräße, Sagenbuch d. K. S., No. 362.)

Im Zellwalde bei Kloster Zelle und zwar besonders in dem alten Gemäuer, welches gemeine Leute für den Stadel eines alten Nonnenklosters ansehen, hatte sich ein Fleischer, namens Hartenkopf aus Siebenlehn, festgesetzt und beschlossen, hinfüro von Raub und Mord zu leben, weswegen die Leute den Fußweg, der von Siebenlehn nach Roßwein führt, nicht mehr sicher wandeln konnten, noch wollten. Weil sich nun dieser Schnapphahn nicht nur am Leibe festgemacht, sondern auch mit Geschütz und Gewehr versehen, also daß allen denen, so ihm zu nahe kommen würden, der Tod drohte, konnten die aufgebotenen Landgerichte und Amtsunterthanen, weil jeder für seine Haut fürchtete, wenig schaffen, bis endlich eine von Roßwein aus kommandierte kurfürstlich sächsische Korporalschaft vom Leibregiment zu Roß dieses Raubnest ersprengte, und weil die bleiernen Kugeln an dem Räuber nirgends haften wollten, haben sie endlich noch mit einem eingeladenen silbernen Knopfe den Zauber gelöst und den Leib zugleich mit gefällt.

Die durch Hülfe des Teufels erworbene Kugelfestigkeit besteht nicht gegen einen geerbten silbernen Knopf. Von einem solchen wurde der Stadtkommandant Bruse von Greifswalde, auf welchen mehr als zwanzig schwedische Kugeln erfolglos abgeschossen worden waren, getötet. (Temme, Pommer'sche Sagen, No. 244.) Ebenso erzählt eine Sage, wie der Reitknecht König Augusts des Starken den seinen Herrn verfolgenden Husaren durch einen silbernen Knopf niederschoß. (Johannes-Album, Chemnitz 1857. 2. T. S. 181.) An die Stelle des silbernen Knopfes treten auch silberne Kugeln. Nach einem rumänischen Volksliede konnten den Freischarenführer Pintye nur drei silberne Kugeln, drei Maß Frühjahrsroggen und drei Nägel von einem Frühlingsfohlen verwunden. (Jahrbuch des Ungarischen Karpathen-Vereins XII., S. 87.)

273. Der Holzmüller von Neudorf.

(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 317.)

In der sogenannten Holzmühle zu Neudorf bei Sebastiansberg lebte einst ein Müller, der war so reich, daß er den Fußboden seiner Stube mit lauter harten Thalern gepflastert und darüber erst die Dielen gelegt hatte. Er verstand aber auch die schwarze Kunst. Als er einmal ganz allein in der Mühle war, drangen plötzlich zwölf Räuber in die Stube und forderten sein Geld. Der Müller hieß sie niedersetzen und that, als ob er das Geld holte. Bald aber merkten die Räuber, daß sie nicht aufstehen konnten. Nun baten sie den Müller, er möge sie loslassen; der erbarmte sich, schnitt aber jedem mit seinem Messer ein Zeichen ins geschwärzte Gesicht und entließ sie. Als er nun am nächsten Sonntage seine Verwandten besuchte, fand er in ihren Gesichtern das eingeschnittene Zeichen. Oft schon hatte man versucht ihn zu erschießen, er war aber kugelfest. Endlich hat ihn ein Jäger auf dem Wege nach Krümau mit einer gläsernen Kugel erschossen; auf der Stelle, wo dies geschehen, steht heute noch ein Kreuz.

274. Ein zaubernder Schüler zu Freiberg wird vom Teufel umgebracht.