(Moller, Theatrum Freibergense Chron. II., S. 19.)
Im Jahre 1260 hat sich zu Freiberg ein Schüler (einige halten dafür, daß es ein Priester gewesen sei) in eine Jungfrau heftig verliebt, und um dieselbe zu gewinnen, hat er Rat und Hülfe bei einem Schwarzkünstler gesucht. Derselbe führte ihn in der Sachsenstadt in ein abgesondertes Gemach, stellte ihn in einen Kreis und begann seine gewöhnlichen Beschwörungen. Der Teufel ließ sich nicht lange bitten und erschien plötzlich in der Gestalt der begehrten Jungfrau. Da stand der Jüngling heftig auf und bot ihr aus dem Kreise die Hand. Doch zu seinem höchsten Unglück und Verderben riß ihn der Teufel zu sich und warf ihn gegen die Wand, so daß er auf der Stelle tot blieb. Aber auch der Schwarzkünstler erhielt seine Strafe. Der Teufel nahm den zerschmetterten Körper des Schülers und warf damit mit solcher Gewalt nach ihm, daß er daran »versterret die ganze Nacht winselnd gelegen und auch früh noch also gefunden wurde.« Er wurde darnach zu gebührender Strafe gezogen.
275. Ein zaubernder Pfaffe aus Mulda kommt elend ums Leben.
(Moller, a. a. O. II., S. 201. Wilisch, Kirchen-Historie von Freyberg etc. II., S. 327. Ziehnert, Sachsens Volkssagen, 4. Aufl. Prosaischer Anhang, No. 5.)
Am Montage nach Palmarum 1536 hat ein Pfaffe aus Mulda in einem Weinhause zu Frauenstein allerlei Üppigkeit getrieben, ist auch des Nachts daselbst ganz voll und toll liegen geblieben, morgens aber mit umgedrehtem Halse tot gefunden worden. Man hat ihn für einen Zauberer gehalten, von dem gemeldet wird, daß er in Wirtshäusern böhmische und andere Groschen nach Belieben aus den Wänden herausgegraben und sonst allerlei Gaukelspiel zur Verwunderung gemeiner Leute getrieben habe. Er ließ z. B. auch den Wein zu Feuer werden und wußte es im Spiele zu machen, daß er allein alles gewann.
276. Der Wunderdoktor zu Permesgrün.
(Grohmann, Sagen aus Böhmen, S. 314. Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 102.)
Ein Hirte, der bei Permesgrün die Herde weidete, fand einmal unter einem Steine, der am Fuße einer uralten Eiche lag, ein altes Buch, auf welchem die Worte standen: Wende den Inhalt wohl an, und Du wirst der Menschheit nützen. Das that der Hirte, und bald war er in der ganzen Gegend als Wunderdoktor bekannt und gesucht. Da erkrankte der Sohn des Herzogs so schwer, daß der Vater in der Verzweiflung dem Retter seine Tochter zur Frau versprach. Der Wunderdoktor ging an den Hof des Herzogs und versprach die Heilung. Der Herzog wiederholte sein Versprechen, drohte aber ihn umzubringen, wenn der Versuch mißlänge.
Der Wunderdoktor machte sich an die Kur, und bald war der Prinz gerettet. Als aber der Wunderdoktor seinen Lohn verlangte, verweigerte ihm der Herzog die Tochter. Darüber ärgerte sich der Doktor, daß er sichtbar hinsiechte. Da las er in seinem Buche und befahl hierauf seinem Diener, ihn zu zerstückeln, die Stücke in eine Kiste zu legen und diese unter jener alten Eiche zu begraben; nach einem Jahre sollte er die Kiste wieder öffnen, aber nicht früher. Dann werde er wieder frisch und gesund auferstehen.