Oberhalb des Ortes Hohenstein bei der Haltestelle Mariaschein-Calvarienberg der Dux-Bodenbacher Bahn erheben sich auf dem 456 m hohen Bergsattel des Erzgebirgs die wildromantischen Ruinen der Geyersburg. In dem daselbst befindlichen unterirdischen Gange, welcher erst auf dem Teplitzer Schloßberge ausmünden soll, liegen ungeheuere Kostbarkeiten aufgespeichert, die man nur am Karfreitage innerhalb der Dauer der Frühmesse heben kann, vorausgesetzt, daß man dabei auch mit der erforderlichen Vorsicht zu Werke geht. Verstreicht dieser günstige Zeitpunkt, so schließt sich mit einem furchtbaren Schlage die Öffnung zu dem Raume, welcher, bewacht von neidischen Kobolden, die Schätze birgt, und der Suchende ist unrettbar verloren. So sollen vor einiger Zeit zwei Bergknappen es gewagt haben, in den Stollen einzudringen; dem einen war das Glück insofern günstig, als er, wenn auch ohne die gehofften Schätze, jedoch wenigstens mit heiler Haut davon kam, während der zweite infolge seiner Verspätung aus dem unheimlichen Raume nicht mehr zurückkehrte.
295. Die Schätze bei der Prokopikirche in Graupen.
(Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 192.)
Die Sage weiß von großen Schätzen zu erzählen, welche neben und unter der Prokopikirche in Graupen verborgen liegen. Sie sollen in Kriegszeiten eingegraben worden sein. Vor Jahren pflügte auf dem nahen Felde ein Landmann; plötzlich sah er einen elegant gekleideten jungen Mann vor sich stehen, der bald ein Gespräch mit ihm anknüpfte und sich eingehend um seine Verhältnisse erkundigte. Der Mann klagte über die schweren Zeiten, über harte Arbeit und schmalen Verdienst. »Ei was,« rief der rätselhafte Fremde aus, »da ist Euch bald geholfen; geht nur auf den Friedhof der Prokopikirche, dort werdet Ihr knapp an der Friedhofmauer auf einem Grabhügel ein weißes Tuch erblicken. An dieser Stelle müßt Ihr so lange graben, bis Geld zum Vorschein kommt. Finden müßt Ihr es sicher; die Tiere dürft Ihr aber unter keiner Bedingung auf den Friedhof führen.« Darauf verschwand der Jüngling. Der Bauer zog noch einige Furchen, bis die Turmuhr die zwölfte Mittagsstunde ankündigte. Er wollte aber seine Ochsen nicht allein lassen und dachte bei sich: Der Jüngling ist ja nicht da und weiß nichts davon, wenn ich sie mitnehme, zudem postiere ich sie ja ohnehin nur am Eingange. Gesagt, gethan; er betrat den Friedhof und bald war auch das bezeichnete Grab gefunden. Nun gings rasch an die Arbeit und, o Wunder! mit einem Male blenden gleißende Goldstücke, die eine große, geöffnete Kiste füllen, seine Augen. Er will darnach greifen, da tritt ein nebelhaftes, graues Männchen dazwischen, schlägt mit Gewalt den Deckel wieder zu und deutet mit wilder Geberde dem Manne an, er möge sich mit seinem Gespanne gleich von hier entfernen und den heiligen Ort nicht fürder entweihen. Kaum war er mit den Tieren draußen, so schlossen sich auch die beiden Thorflügel mit solcher Wucht, daß ihm der Schlag durch Mark und Bein ging. Das schlaue Bäuerlein ließ sich indeß durch diesen fruchtlosen Versuch nicht abschrecken, ging später wieder auf den Friedhof und grub aus Leibeskräften an jener Stelle; aber die Kiste mit den Goldstücken hat er nicht wieder gesehen.
296. Der Schatz in der großen Mühle bei Rabenau.
(Mitgeteilt von Dir. Ludw. Lamer in Hainsberg.)
In der großen Mühle, welche früher zum Rabenauer Schlosse gehörte und durch einen unterirdischen Gang mit demselben verbunden gewesen sein soll, war von Raubrittern ein großer Schatz verbannt, der nur von einem ganz unbescholtenen Mädchen von zwanzig Jahren gehoben werden konnte. Dieser Schatz wurde von zwei kleinen Schattenmännchen bewacht, welche von vielen Leuten gesehen worden sind. Diese Männchen besuchten das Mühlengebiet öfter und sobald sie dasselbe betraten, blieben alle Werke stehen und waren nicht eher wieder in Gang zu bringen, bis die Schattenmännchen wieder fort waren. Sie nahmen ihren Rückweg jedesmal durch die zum Wasserbett führende Thür, gingen über letzteres weg und verschwanden bei dem daneben befindlichen Keller. Bis zu Anfang dieses Jahrhunderts wurden dieselben gesehen, und genau nach hundert Jahren sollen sie wieder erscheinen, wenn der Schatz inzwischen nicht gehoben wird.
Ein Mädchen, welches sich vorgenommen hatte, den Schatz zu heben, wurde von ihren Angehörigen gewaltsam daran verhindert, die Mühle zu betreten, um sie vor Unheil zu bewahren; sie gebärdete sich wie wahnsinnig, so daß man sie anbinden und anschließen mußte; darauf verfiel sie in eine hitzige Krankheit und starb bald.
Ende vorigen Jahrhunderts soll ein Besitzer der Mühle, dessen Name vormals auch genannt wurde, mit Hülfe eines Geistesbeschwörers den vergrabenen Schatz auch zum Teile gehoben haben; dafür wurde er aber von den Geistern so geplagt und verfolgt, daß er die Mühle verkaufte und sich bei Dresden von dem Schatze ein großes, schönes Grundstück erwarb.