(A. Blüml in der Erzgebirgszeitung, 5. Jahrg., S. 174.)
Geht man von Brandau auf dem Fahrwege über den »Hof« hinaus in den Wald, so findet man links leicht einen nicht zu großen schräg liegenden Stein, über den die Kinder oft herabrutschen oder »tschinnern«. Dieser Stein soll den Eingang in eine reiche Schatzkammer verschließen, und Sonntagskinder können dort am Ostermontage um 12 Uhr ein Schloß sehen und den Schatz heben, wenn es ihnen gelingt, schnell die Thür des Schlosses zu erreichen. Doch schnell müssen sie sein, da das Schloß gewöhnlich entflieht und den habgierigen Schatzjäger irre führt.
Einige Frauen rupften in der Nähe des Tschinnersteins Moos und hatten ihre Körbe auf den Stein gestellt. Als sie dieselben um 12 Uhr holen wollten, um das Moos nach Hause zu tragen, waren sie verschwunden. Schreiend entfernten sich die Frauen, bis auf eine, die nach einer halben Stunde ihren Korb wiederfand, den Boden mit Gold bedeckt.
Ein Knabe hütete am Tschinnerstein. Da scharrte eine Kuh einen Topf von Silbergeld heraus, das er seinem Vater gab. Wenn das Geld auch nicht mehr gangbar war, so wurde dieser doch dadurch reich, indem er es verkaufte.
307. Der Heldenberg bei Seifen.
(Wenisch, Sagen aus dem Joachimsthaler Bezirke, S. 78.)
Auf dem öden und rauhen Kamme des Erzgebirges erhebt sich bei dem böhmischen Kirchdorfe Seifen der Heldenberg, der vor vielen Jahren mit einem dichten, fast undurchdringlichen Hochwalde bedeckt war. In diesen ging einst ein blutarmer Holzhacker, um Holz zu fällen. Als er in die Mitte des Waldes kam, vernahm er mit einemmale im nahen Gebüsche ein ungewöhnliches Geräusch. Unverweilt schritt er darauf zu und sah unter der Erde durch das Moos reines gediegenes Gold hindurchschimmern. Dem Holzhauer klopfte das Herz voll Freude über den unerwarteten Fund, der nun für immer seiner bitteren Armut abhelfen sollte. Er lief über Stock und Stein, durch dick und dünn nach Hause, um sich zum Ausgraben des edlen Metalles die nötigen Werkzeuge, als Spitzhaue und Schaufel, zu holen. Als der Überglückliche aber zu derselben Waldesstelle zurückgekehrt war, fand er weder das Gebüsch, noch schimmerte ihm vom Boden Gold entgegen; alles war verschwunden. Darob war der Holzhauer tief betrübt; er mußte nun bis zu seinem Tode sein hartes Los, Holz zu fällen, ertragen.
Die Sage erzählt weiter, daß einmal eine ganz schwarze Kuh über diese reichen Goldlager gehen und sie aufwühlen wird. Dann soll aus dem jetzt unansehnlichen Orte Seifen eine große blühende Bergstadt entstehen, die den stolzen Namen Heldenberg erhalten wird.