393. Verstorbene zeigen durch Rufen einen Todesfall an.
(Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 785.)
Im Jahre 1664 brannte von der Stadt Annaberg über die Hälfte ab; dabei verbrannte auch jämmerlich der Stadtrichter Martin Meyer nebst seiner Frau. Des Tags zuvor geht er vor dem Gottesacker vorüber, da ruft ihn eine Stimme, die als seiner verstorbenen Schnur Stimme gelautet, etliche mal: Herr Vater! Des Nachts geht das erschreckliche Feuer gegenüber seiner Wohnung auf.
Im Jahre 1686 wurde M. Benjamin Heyde, Oberpfarrer in Schneeberg, frühe, da er predigen sollte, in seinem Bette tot gefunden. Abends zuvor rief dreimal eine Stimme, welche seines ersten Weibes Stimme gleich: Herr! Herr! Herr! und darauf erfolgte sein Tod.
394. Ein zersprungener Trauring zeigt den Tod des Ehegatten an.
(Lehmann, Hist. Schauplatz etc., S. 784.)
Im Jahre 1666 wohnte ein Kopist in Schneeberg, ein junger, starker Mann, der beim Trinken hurtig von der Faust war. Seinem Weib, Marie Böhmin, sprang der Ring vom Finger entzwei und fiel auf die Erde. Sie erschrak darüber und sagte: Was soll mir das sein? Da der Mann des Abends zu Bier gehen will, hat sie große Angst und erzählt, was ihr begegnet, er solle zu Haus bleiben, aber er schlugs in ein Gelächter. Sie begleitet ihn bis zur Hausthür und vermahnt ihn, er soll sich ja in acht nehmen. Abends bringen sie ihn totkrank nach Haus, und der Schlag rühret ihn eben dieselbige Nacht, daß er starb.
395. Klingen und Singen verkündet einen Sterbefall.
(Chr. G. Wilisch, Kirchen-Histor. von Freiberg etc. II., S. 401. Kirchengalerie von Sachsen, 2. B., S. 195.)
Am Abende des 4. August 1629, welcher dem Tode der Gemahlin des Moritz v. Hartitzsch auf Krummenhennersdorf voranging, hörte letzterer mit dem Pfarrer Benedictus Scheuchler und dem Arzte (?) Däntzki, da sie miteinander in Kümmernis am Fenster des Schloßerkers standen, draußen gar nahe ein klares helles Glöcklein klingen, gleich oben über den Bäumen, anders nicht, als ob man wollte anfangen zu Grabe zu läuten. Bald darauf hörten sie gar einen lieblichen Laut, als wenn kleine Kindlein singen. Am Morgen wies sich aus, was hierdurch angedeutet worden, daß nämlich die kranke Frau seligen Feierabend machen wollte und ihr Körper zur Ruhe gebracht werden sollte.