396. Rumoren zeigt einen Todesfall an.
(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.)
In Nossen lebte einmal ein gottesfürchtiger Tischlermeister, bei dem es manchmal des Abends, wenn die Familie still beschäftigt war, in den Brettern oder Hobelspähnen rumorte. Dann wußte der Meister, daß am nächsten Tage ein Sarg bestellt werden würde.
In ähnlicher Weise pflegten sich beim dortigen Totengräber des Abends zuweilen die Werkzeuge zu rühren, und dann wurde Tags darauf ein neues Grab verlangt.
397. Der geplagte Polizeidiener.
(Jugenderinnerung eines gebornen Nossners.)
Bis gegen Ende der dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts befand sich die Stadtwache zu Nossen in einem am Obermarkte gelegenen, der brauberechtigten Bürgerschaft gehörigen, jetzt aber abgebrochenen Brau- und Malzhause, vor dessen Ostseite zwei schöne Linden standen. Dort wohnte einmal ein Polizeidiener, ein altgedienter Soldat. Wenn nun in der Stadt ein schwer Kranker nicht »ersterben« konnte, erschien sein Geist des Nachts dem Polizeidiener und nötigte ihn zum Aufstehen aus dem Bette. Der mußte sich nun vollständig in Uniform kleiden und mit umgehängtem Säbel den Geist bis an die Hausthüre begleiten, worauf dieser verschwand. Der Polizeidiener pflegte manchmal zu sagen: Diese Nacht ist der oder die bei mir gewesen, und darauf hörte man bald auch von ihrem Ableben.
Still und mürrisch, wie er war, mußte er sich oft vom Bürgermeister ausschelten lassen. Das hörte er in Positur ernsthaft an und sprach dann, als wenn er schwerhörig sei: »Schön, Herr Bürgermeister, ich werd's ihm sofort sagen.« Da mußte der Bürgermeister immer lachen und das gute Einvernehmen war wieder hergestellt.
398. Vögel sind Unglücksverkündiger.
(Chr. Lehmann, Histor. Schauplatz, S. 834.)