(Flader, Wiesenthalisches Ehrengedächtniß, 1719, S. 108. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. S., Nr. 500.)

Im Jahre 1709 ist ein kurfürstlicher Geleitseinnehmer, mit Namen A. L., in gewissen Angelegenheiten verreist; da er nun wenigstens zwanzig Meilen entfernt ist, so sieht sein damaliges Hausmädchen, da sie am Abend gegen 5 Uhr von ihrer Frau in ihre Schlafkammer geschickt wird, ihn von ohngefähr in seinem Bette liegen und meint, er sei ohne ihr Wissen nach Hause zurückgekehrt. Sie fragte also die Frau: »Ist der Herr nach Hause gekommen?« Diese antwortet aber: »Du wirst ihn ja sehen.« Daher hat sie sich weiter nicht darum gekümmert. Nachdem nun die Frau selbst des Nachts gegen 12 Uhr schlafen geht, erblickt diese ihn ebenfalls in ihrem Bette, da er sich denn gerührt, daß es davon geknistert und das Bett ein wenig von sich geschlagen. Welches sie bewegt, daß sie unten um das Bett herumgegangen und ihn angeredet hat: »Ei, mein Kind, wie bist Du denn hier? Hast Du mich doch erschreckt!« Da er denn die Beine hinausgeschlagen, aus dem Bette gefahren und unter das Dach, so sich in der Schlafkammer findet, gekrochen, auch daselbst plötzlich verschwunden ist. Die Frau hat sich nun zwar ins Bett gelegt, aber vor großem Schreck die ganze Nacht nicht schlafen können, weil sie nicht gewußt, wie es zugehe, daß sie ihren Mann, der so viele Meilen entfernt war, habe sehen können. Sie hat aber fleißig gebetet, der Herr wolle sie vor Anfechtung bewahren. Als ihr Mann nun wieder nach Hause gekommen, hat er erzählt, er sei an jenem Tage gerade bei einem Jäger gewesen, der ihn sehr wohl traktiert und mit Braten, Kuchen und Wein bestens bewirtet, da habe er immer an seine Frau gedacht und gewünscht, daß sie solches auch mit genießen möge.

463. Arndts Paradiesgärtlein ist unverbrennlich.

(Curiosa Saxon., 1738, S. 269. Darnach Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 229.)

Als Gott am heiligen Abende vor dem Johannistage des Jahres 1738 Tuttendorf bei Freiberg mit einem heftigen Donnerwetter heimsuchte und der Strahl des Bergmanns J. D. Schieffels Wohnhaus im Oberdorfe entzündete, hat zwar die wütende Feuersglut alles verzehrt, allein alle im Hause befindliche Personen sind mit dem Leben davon gekommen, und was das Sonderbarste ist, die schon zu mehreren Malen über Dr. Joh. Arndts berühmtes Gebetbuch, Paradiesgärtlein betitelt, in Feuersgefahr waltende Fürsorge Gottes hat sich auch hier wiederum bethätigt. Denn da sich unter dem geistlichen Büchervorrat dieser armen Verunglückten auch gedachtes Buch in der von Chr. Weinmann, Buchhändler zu Erfurt, in länglich Duodez 1725 besorgten Auflage befunden, so hat man dasselbe am anderen Tage unter der Asche dergestalt angetroffen, daß, obwohl der Einband desselben gänzlich zu Kohlen verbrannt, dennoch kein Buchstabe in dem Buche selbst verletzt war, sondern dasselbe ganz unversehrt im Feuer geblieben ist. Es ist solches dem Pastor des Ortes von den Abgebrannten zum ewigen Andenken überlassen worden, bei dem man es noch lange hat sehen können.

464. Das Meteoreisen in Elbogen.

(I. Erzgebirgs-Zeitung, 1. Jahrg., S. 168. II. Die Natur von Müller, 1878, Nr. 45.)

I. Es war seinerzeit in Elbogen ein Burggraf von Wülfenfels unter der Oberherrschaft der Rohenburger als berüchtigter, mordlustiger und raubgieriger Burgherr und wegen seiner grausamen Handlungen gefürchtet und bekannt. Seine Leibeigenen pflegte er oft ohne besonderen Anlaß in den Sprudel-Teufelsweiher zu werfen, um sie zu versteinern. Als er sogar seine eigene Tochter im Burghofe anketten ließ und im Begriff war, den Todespfeil auf sie zu schleudern, da grollte plötzlich der Himmel, ein Donnerschlag ertönte und ein Blitz lähmte seinen Arm. Das Kind war gerettet, denn soeben hielt der edle Rohburger seinen Einzug in Elbogen. Da ihm Mitteilung von den Schandthaten des Burgherrn gemacht wurde, befahl er, denselben sofort festzunehmen und zu züchtigen. Wülfenfels, der dies hörte, verschwand. Das letztemal sah man ihn mit drohenden Gebärden, seine Armbrust gegen den Himmel haltend, auf dem Schloßbalkon stehen und hörte ihn lästern über den Donner und Blitz, die Schuld trugen, daß sein Kind noch lebte. Vergeblich suchte man nach ihm; doch bald sollte sich das Ganze aufklären; am Balkon fand man einen großen, zur Eisenschlacke zusammengeschmolzenen Stein, mit den Resten einer halbverbrannten Armbrust auf einem Klumpen liegen. Der Markgraf ließ diesen Stein im Schlosse aufbewahren; die Franzosen aber warfen ihn bei ihren Kriegszügen im Jahre 1776 in den tiefen Schloßbrunnen, aus dem er später wieder herausgehoben wurde, um auf das Rathaus gebracht zu werden. Dieser Stein, von den Naturforschern als Meteor bezeichnet, war ursprünglich 192 Pfund schwer; ein Teil davon kam in das Naturalienkabinet nach Wien, ein Teil in jenes nach Prag, und der Rest im Gewichte von 43 Pfund wird auf dem Rathause zu Elbogen vorgezeigt.

II. Auf dem Schlosse zu Elbogen lebte vor Jahrhunderten ein böser Burggraf, welcher seine Unterthanen hart drückte. Einst läutete derselbe während eines Gewitters eigenhändig auf dem Turme die Glocke, um damit seine Leute zum Frohndienste zusammenzurufen. Da schlug plötzlich der Blitz ein und schmolz den Grafen und die Glocke in einen Guß zusammen. Das ist nun jener Eisenklumpen, von welchem man noch heute in der Stadt einen Teil zeigt. Man hat die Masse schon oft in einen Brunnen versenkt, aber immer ist dieselbe von selbst wieder herausgekommen. Sie soll bald zentnerschwer, bald ganz leicht sein, letzteres aber nur für Menschen, welche noch nicht gesündigt haben.