(Tob. Schmidt, Chronica Cygnea, II, 1656, S. 5 und 6.)
Als im Jahre 805 Karl der Jüngere, Karls des Großen Sohn, die aufrührerischen Böhmen überwunden und ihren Fürsten Lecho erschlagen hatte, zog er durch den Böhmerwald in die Gegend von Zwickau, um hier, sowie überhaupt zwischen Saale, Mulde und Elbe die mit den Böhmen verbündeten Wenden zu strafen. In diesem Kriege hat auch die Fürstin Schwanhildis mit ihren Schwanfeldern dem Kaiser getreulich gedient, so daß Karl der Jüngere die Stadt Zwickau zur Mark wider die Wenden und Böhmen machte. In derselben Zeit lebte auch ein Riese oder Recke, der hieß Einheer (sein rechter Name ist aber Aenotherus gewesen) und war ein Schwabe, gebürtig aus Thurgau in der Schweiz. Dieser watete durch alle Wasser, durfte über keine Brücken gehen, zog sein Pferd bei dem Schwanze nach und sagte allezeit: »Nun Gesell, du mußt auch hernach«. In den genannten Kriegen des Kaisers half er diesem gegen die Wenden. Er mähete die Leute wie das Gras nieder, hängte sie an den Spieß, trug sie über den Achseln wie Hasen oder Füchse, und da er wieder heim kam und seine guten Gesellen und Nachbarn fragten, was er ausgerichtet hätte und wie es ihm im Kriege gegangen wäre, sagte er aus Unmut und Zorn: »Was soll ich von diesen Fröschlein sagen? Ich trug ihrer sieben oder achte an dem Spieß über der Achsel, weiß nicht, was sie quaken, ist der Müh nicht wert, daß der Kaiser so viel Volks wider die Kröten und Würmer zusammengebracht.« Es flohen vor ihm die Feinde und Wenden und meinten, er wäre der leidige Teufel.
Die Sage vom Riesen Einheer erzählen auch die Brüder Grimm (Deutsche Sagen, I, Nr. 18), jedoch ohne Beziehung auf die Gegend von Zwickau. Es heißt darin noch: Diesen Riesen nennt man Einheer, weil er sich in Kriegen schier einem Heer vergleicht und also viel ausrichtet.
471. Schwanhildis.
(Tob. Schmidt, Chronica Cygnea, Zwickau, 1656, S. 20 u. 24.)
Aus dem Geschlechte der Cygnus ist entsprossen Schwanhildis, der letzte Zweig aus diesem Stamm, welche in der Gegend um Zwickau von der Mulde bis an die Pleiße regierte, von welcher die ganze Gegend ihren Namen hat und Schwanfeld genannt wird. Etliche geben noch aus, als sollte sie ihren Sitz gehabt haben auf dem Schloß Alten-Schönfels, eine Meile von Zwickau, welches ein sehr altes Bergschloß und von welchem auch nicht weit ihr Begräbnis ist entdeckt worden. Johann Lupas von Hermannsgrün, ein Vogtländischer von Adel, schreibt nämlich, daß eine bleierne Tafel, worauf der Fürstin Schwanhildis Epitaphium gestanden, im Felde auf einem Hügel unter einem Baum, welchen der Wind niedergeworfen, von einem Bauer, der den Baum aufräumen sollte, bei dem Dorfe Stenn entblößet gefunden und gedachten vom Adel gebracht worden sei, darinnen ihre Ankunft vermeldet und sonderlich die Lehrsprüche, welche sie der Stadt Zwickau Einwohnern befohlen. – Dieselbe hat Karls des Großen Sohn, dem jüngern Karl, als er in diesen Landen wider die Sorbenwenden und Böhmen gestritten, getreulich Beistand geleistet, und ist ihm nicht allein mit ihren Unterthanen zu Hülfe kommen, sondern hat ihm auch mit Speise und Trank großen Vorschub gethan.
472. Libussas Tanzplatz.
(E. Kunze in den Mitteilungen des Nordböhm. Excursions-Clubs, 1885, S. 112.)
Am südlichen Fuße des Erzgebirges erhebt sich eine ziemlich bedeutende Anhöhe, auf welcher man eine weite Fernsicht genießt. Zu Füßen des Betrachtenden breitet sich ein herrlicher Teil des Böhmerlandes aus, in einer Entfernung von vielleicht zwei Stunden erblicken wir das schöne Teplitz, und im Hintergrunde ragen mächtige Bergkegel zum Himmel empor. Den Hügel krönt ein Baum, der seine weitausgebreiteten Äste stolz in die Lüfte reckt. Unter diesem Baum soll einst Libussa, Böhmens Herzogin, gestanden, und nachdem sie die herrliche Landschaft zu ihren Füßen lange betrachtet und bewundert hatte, vor Entzücken getanzt haben.