(Schumann und Schiffner, Lex. v. Sachsen, 15. B., S. 528. Gauhen, Adelslex. I, 364. Peccenstein, Theatrum Sax. I, 73. Darnach bei Haupt, Sagenbuch d. L., II, Nr. 38.)
Daß der Name des Dorfes Einsiedel bei Chemnitz mit dem Einsiedelschen Geschlechte, welches den Ort Jahrhunderte hindurch besaß und noch jetzt (?) zu Lehen trägt, in einer gewissen Verbindung stehe, ist sehr glaublich, wenn auch die Ableitung des Geschlechtsnamens von dem Orte nicht festgestellt ist.
Außerdem giebt es noch einen Ort gleichen Namens zwischen Olbernhau und Katharinenberg. Eine Sage erzählt, daß dieses Dorf seinen Namen von drei Einsiedlern erhalten habe, und es würden demnach die folgenden Sagen, welche den Geschlechtsnamen der Herren von Einsiedel zu erklären suchen, damit in Verbindung gebracht werden können.
Die Grafen und Herren von Einsiedel führen einen Einsiedler im Wappen. Das kommt davon her: Graf Berthold's von Sulzau Gemahlin war kinderlos und lag Gott in heißen Gebeten um eine Leibesfrucht an, that auch das Gelübde, das Kind, welches er ihr schenken würde, dem Herrn zum Dienste zu weihen. Sie gebar nun einen Sohn, welcher Grubo genannt wurde. Derselbe wurde also geistlich und wohnte lange als Einsiedler in einer einsamen Gegend Böhmens, wo er sich eine Kapelle gebaut hatte. Nachher aber verließ er seine Zelle, zog in den Krieg, nahm ein Weib und wurde der Stammvater derer von Einsiedel. Das geschah um das Jahr 1280.
Nach einer andern Sage hieß der Sohn Meginrad (Meinrad, Meinhard). Der lebte als Einsiedler ums Jahr 850 in den böhmischen Wäldern, aber er war (damals vor Einführung des Cölibats ging das noch) beweibt und gründete ein zahlreiches Geschlecht. Einer seiner Nachkommen, der im Jahre 1280 lebte und Grubo hieß, ging endlich in die Welt zurück.
474. Die Herren von Rechenberg.
(Schumann, Lex. v. Sachsen, 8. B., S. 818. Gauhen, Adelslex. I, 1332. Darnach Haupt, Sagenbuch d. Lausitz, II, Nr. 52. Sinapius, Schles. Curiosität. I, S. 111. Gräße, Geschlechts-, Namen- u. Wappensagen, S. 129.)
In dem südlich von Frauenstein nahe der böhmischen Grenze gelegenen Dorfe Rechenberg sieht man noch die Ruinen des gleichnamigen Schlosses, welches schon 1289 von Böhmen an Meißen überlassen wurde, jedoch ein böhmisches Lehen blieb. Die frühesten Besitzer waren wahrscheinlich die Herren von Rechenberg; in einer Urkunde von 1270 kommt bereits ein Heinrich, und in einer von 1299 ein Apetz v. Rechenberg vor.
Die Herren von Rechenberg stammen von denen von Haugwitz ab, deren Wappen auch das ihrige sehr ähnlich ist. Ihr Ahnherr ist Hans von Haugwitz. Als in der blutigen Tatarenschlacht bei Liegnitz 1241 die Feinde eine Anhöhe erstürmt und eingenommen hatten, rief Heinrich der Fromme ihm zu: »Hans, räche den Berg!« worauf dieser sich an die Spitze eines Heerhaufens stellte und die wilden Horden von dem Berge vertrieb. Von dieser tapfern Kriegsthat war er fortan Rechenberg genannt.
Es haben die Herren von Haugwitz in Sachsen im roten Schilde einen schwarzen, vorwärts stehenden Widderkopf mit gelben Hörnern und gelber Krone, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg aber einen nach der Seite liegenden Widderkopf ohne Krone, die von Haugwitz in Sachsen auf dem Helme den gekrönten Widderkopf mit Hals und Brust, aber ohne Beine, und auf dem Kopfe einen rot und weiß abgeteilten Federbusch, die von Haugwitz in Schlesien und die von Rechenberg aber den Widderkopf mit Hals, Brust und zwei zum Sprunge aufgerichteten Vorderbeinen ohne Krone und Federn.