Als Anno 1458 in dem ehemaligen Walde, welcher dem Herrn Walzig von Bärenstein eigentümlich zugestanden, ein Köhler einen Meiler auf einem mächtigen flachen Gange, welcher jetzt die alte Fundgrube genannt wird, zugerichtet hatte, traf er im Ausstoßen Zinn an. Denn die am Tage gelegenen Zwitter, welche der Köhler zu seinem Kohlenbrennen lange Zeit hindurch zum Unterlegen gebraucht hatte, waren durch die heftige Hitze nach und nach zermalmt und mürbe gebrannt worden, so daß endlich »berglauter Zinn« zum Vorschein kam. Auf diese Art ist der so berufene Zwitterstock zum Altenberge unvermutet fündig geworden. Nachdem nun hierauf das Gerücht von diesem reichen Zinnbergwerke durchs Land erschollen, haben sich viele ausländische Bergleute an dem Platze niedergelassen und die Stadt Altenberg gegründet.
Historisch ist, daß bereits in den letzten vierziger Jahren des 15. Jahrh. auf dem Schlosse zu Bärenstein die Anfänge zu einer Bergordnung neben einem förmlichen Bauplane für die Stadt Altenberg festgesetzt wurden. Kurfürst Friedrich der Weise aber verlieh bereits 1451 »dem Czynnern off dem Geusinge« (worunter mit ziemlicher Sicherheit Altenberg zu verstehen ist) einen freien Markt und auch Stadtrechte. (Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler v. Sachsen, II. S. 1.)
500. Entdeckung der Zinnerze bei Fürstenau, Mückenberg und Graupen.
(Brandner, Lauenstein, seine Vorzeit, früheren Schicksale und jetzige Beschaffenheit. Lauenstein, 1845, S. 272. Erzgebirgszeitung, 5. Jahrgang, S. 162.)
Die Königin Judith, Gemahlin des Herzogs Wladislaus I. von Böhmen, gründete in Teplitz ein Kloster der Benediktinerinnen. Es geschah dies in einem der Jahre 1153 bis 1173. Im Jahre dieser Gründung aber war es, so berichtet der böhmische Geschichtsschreiber Hajek, da ging ein Mann, mit Namen Wnadeck, aus dem Dorfe Cloditze, auf dem Gebirge, welches fast eine Meile Weges von Teplitz gegen Mitternacht gelegen, und fand einen langen und lichten, aus der Erde herausgewachsenen Stab. Er vermeinte, derselbe wäre Silber, brach ihn ab und brachte ihn der Herzogin Gertrud (Königin Judith) gen Teplitz. Diese aber übergab den Stab bergverständigen Männern zum Probieren, welche im Feuer befanden, daß es Zinn war. Hierauf befahl die Herzogin, dem Wnadeck 3 Mark Silber zu geben, doch sollte derselbe den Ort zeigen, wo er den Stab gefunden habe. Als dieses geschehen, grub man nach, und wurde eine gar große Menge Zwitter gefunden, darum die Herzogin und alles böhmische Volk unserm Herrgott mit Herz und Mund großen Dank sagten.
Auch erzählt die Sage: Als Libusa das Czechenvolk beherrschte, eine weise Seherin, die das Glück und Unglück ihres Landes in der Nähe und in der Zukunft schaute, da geschah es auch (d. h. im Jahre 733), daß die Herzogin, von der Höhe des Wyschehrad aus, weissagend sich nach Nordwesten gewendet und dem Volke in blühenden Worten von dem übermäßigen Zinnreichtum des einstigen Graupens gepredigt habe.
501. Anfang des Bergwerks am Schreckenberge bei Annaberg.
(Richter, Chronica der freyen Bergstadt Annaberg. 1746. S. 17.)
In dem Dorfe Frohnau wohnte ein Bergmann, welchen die alte geschriebene Stadt-Chronica von Annaberg Caspar Nietzel oder Nitzelt nennt. Dieser schürfte an dem Schreckenberge und entdeckte daselbst den 27. Oct. 1492 in der Dammerde einen lettigen Gang, welcher im Centner 2 Loth Silber hielt. Dieser Bergmann nahm den Letten, trug denselben am Abende Simonis Judä nach Geyer zu einem Schmelzer, welcher Martin Pflugk oder Pfennig geheißen, und ließ es probieren. Als aber der Schmelzer diesem Nietzel es nicht glauben wollte, daß er zu Tage aus einen solchen herrlichen Gang gefunden, so gab er ihm etliche verständige Bergleute mit, welche die Sache sollten in Augenschein nehmen, und diese, als sie den Gang wirklich so gefunden, hatten auch dem Nietzel hernach geraten, daß er solchen Gang von Herrn Johann Fischern, Bergmeistern zu Freiberg, aufnehmen sollte. Das allerälteste geschriebene Chronikon aber, welches noch vorhanden ist, sagt, daß Hans Heintze und Martin Pflugk, der Schmelzer in Geyer, das Lehngeld geleget, und solchen Gang bei Hans Fischern, Bergmeistern in Freiberg, aufnehmen lassen. Als sich nun beim Abteufen der Gang veredelt, der Gehalt gebessert, und das Geschrei ins Oberamt nach Freiberg geschollen, so hat der Bergmeister daselbst etliche abgeordnet, das neue Gebäude zu befahren und an dem nahe dabei liegenden Schottenberge einen Stollen zu treiben anfangen lassen. Dies ist also Anno 1492 geschehen, als in welchem Jahre dieser wüste und wilde Ort das Glück hatte, daß er bekannt geworden. Von diesem Jahre an rechnen nun etliche den Anfang der Stadt St. Annaberg.