(Albinus, Meißnische Bergk-Chronika, 1590, S. 191.)

Im Jahre 1370 ist Kaiser Karl IV. in der Gegend, da jetzt Karlsbad liegt, auf der Jagd gewesen. Nachdem aber ein Hund einem Wild etwas zu sehr nachgefolget und also in das heiße Wasser geraten, hat er alsbald ein großes Heulen und Geschrei angefangen. Als dies die Jäger vernommen und gedacht, der Hund hätte etwas angetroffen und gestellet, sind sie dem Geschrei nachgefolget und haben den Hund in dem heißen Pfuhl oder Moder gefunden. Wie solches dem Kaiser angezeigt worden, ist er mit vielen der Seinen hinunter geritten, und als er und seine Medici nachmals befunden, daß dies Wasser eine heilsame Art an sich hätte, auch solches an seinem eigenen Leib, weil er einen bösen Schenkel gehabt, probiert, hat er befohlen, daß man den Ort säubern, bebauen und bewohnen solle. Er ist auch in willens gewesen, alsbald eine große Stadt zu bauen und dieselbe mit Mauern zu umgeben, wie etliche Stück Mauern am Hirschenstein ausweisen. Daselbst ist noch zu sehen, daß Keller allda gewesen, denn der Kaiser wollte an diesem Orte ein Schloß bauen; weshalb dies aber unterblieben, weiß niemand zu sagen. Nur das wird auch von den Alten gesagt, daß der Ort, da gedachter Kaiser Karl seinen Schenkel gebadet, an der Stelle gewesen, wo jetzt das Rathaus stehet, wie denn noch ein Brunn drunter ist, nicht allzu heiß, sondern etwas laulicht. Daselbst soll man vor Zeiten einen Sessel, in Stein ausgehauen, gezeiget haben.

Historisch ist festgestellt, daß die warmen Quellen von Karlsbad bereits vor Kaiser Karl IV. und zwar schon im 11. Jahrhundert den Umwohnenden bekannt waren. Eine alte Karte, welche den Zustand Böhmens zu Anfang des 13. Jahrhunderts darstellt, hat auf der Stelle, wo sich heute Karlsbad befindet, einen Ort Wary; dieses böhmische Wort drückt aber den Begriff Sieden oder Kochen aus. Jedenfalls entstand, nachdem die gelehrten, sich mit medizinischer Wissenschaft beschäftigenden Mönche der schon frühzeitig in dieser Gegend entstandenen Klöster auf die Heilkräftigkeit des Wassers aufmerksam geworden waren, dann in dem Tepelthale der Ort »Warmbad«, wie Karlsbad vielfach noch im Mittelalter genannt wurde. Historisch ist weiter, daß schon im Jahre 1325 dieses Warmbad vom König Johann, dem Vater Kaiser Karls IV., mit dem nahen Dorf Thiergarten belehnt wurde, und daß Karl IV. das Warmbad, welches er jedenfalls öfter besucht hatte, am 14. Aug. 1370 von Nürnberg aus zur Stadt erhob und derselben dabei seinen Namen verlieh. (S. Ausführliches bei Fr. Bernau, Die Kur- und Badestadt Karlsbad. Comotovia, 5. Jahrg. 1879.)

522. Die Entdeckung der Heilquellen von Teplitz.

(Comotovia, 1877, S. 106. Th. Schäfer, Führer durch Nordböhmen, 3. Auflage, S. 71. Josef Schwarzer in der Erzgebirgszeitung, VI, 9. und 10. Heft.)

Da, wo heute das Dorf Settenz liegt, wohnte einst ein begüterter und mächtiger Wladik oder Edelmann mit Namen Kolostuj. Dessen Hirten hatten eines Tages von ihrer weidenden Herde einige Schweine verloren, welche sie nach vielem Suchen in der Mitte eines nahen Waldes fanden, wie sie mit ihren Rüsseln in einem heißen Sumpfe wühlten. Das Wasser des Sumpfes schien seine Wärme von einem unterirdischen Feuer erhalten zu haben. Eiligst trugen nun die Hirten die Kunde von ihrer wunderbaren Entdeckung ihrem Herrn zu, und dieser verfügte sich sofort an Ort und Stelle und ließ daselbst in der Folge eine wohlbefestigte Holzburg erbauen.

Zu dieser Zeit aber regierte in Böhmen der Herzog Nezamislaus. Da bewog Biela, eine Verwandte des Herzogs und Herrin von Bilin, welche den Wladik Kolostuj wegen des wunderbaren Wassers beneidete, ihren Gemahl Kostial, daß er sich der Quelle durch einen Ueberfall bemächtige. Kostial rückte auch sofort mit 20 Knappen gegen die Burg Kolostuj's, doch mißlang der Angriff, da die Burg unterdeß in Verteidigungszustand versetzt worden war; Kostial fand dabei seinen Tod.

Noch bis zum Jahre 1793 wurden die Fichten gezeigt, unter denen Kostial von dem tödlichen Pfeile getroffen ward, und ebenso zeigt man noch heute bei dem in die Kirchengasse ausmündenden Ausgange des Teplitzer Schloßgartens ein mit zwei Türmchen geziertes Haus, welches als das erste, noch von Kolostuj herrührende Haus der Stadt Teplitz bezeichnet wird. An der Wand eines der Türmchen sieht man ein verwittertes Frescogemälde, das eine Figur darstellt, welche zum Fenster hinaussieht. Es soll den Ritter Kostial darstellen, der an dieser Stelle erschossen wurde. Auch zeigt man an der Korridorwand im Stadthause eine aus dem 17. Jahrhundert stammende bronzene Relieftafel, worauf in guter Ausführung abgebildet ist, wie die ihren borstigen Schützlingen folgenden Sauhirten die warme Quelle entdecken. Eine lateinische Inschrift dabei erzählt in gereimten Versen diese Historie. Sie lautet in deutscher Übersetzung:

»Unter dem Schirme des allerschaffenden dreieinigen Gottes,
unter dem Schutze Johannes des Täufers,
unter der Regierung des Herzogs Nezamislaus,
als Kolostuj hierorts gebot,
wurde durch dessen Schweine, die in den Wäldern auf der Weide waren
und mit ihren Rüsseln die Thermen aufwühlten,
unser Quell 762 entdeckt.
Zum Andenken daran ward dieser Stein errichtet, angefertigt von dem Bildhauer Balthasar.«

Die obengenannte Jahreszahl entstammt einer freilich unverbürgten Angabe des altböhmischen Chronisten Menzel Hajek von Libotschan, welcher auch als Tag der Entdeckung der Quelle den 29. August, den Tag Johannes des Täufers, anführt. Josef Schwarz teilt dagegen (Erzgebirgszeitung VI, S. 135) mit, daß man beim Abtäufen der Urquelle 1879 alte Silbermünzen gefunden habe, die dafür zu sprechen scheinen, daß die Wirkung der Teplitzer Thermen bereits den alten Römern bekannt war. Diese Münzen sind vielleicht aus Dankbarkeit für günstige Heilerfolge der Quellennymphe gespendet worden. Auch beim Abtäufen der Riesenquelle bei Dux fand man Bronzeschmuck aus der Heidenzeit.