Der gelehrte Bohuslaw Balbinus vermutet aus dem Umstande, daß sich Kolostuj's Nachfolger, Radobeil Fürst von Teplitz, Saaz und Leipa nannte, es möge Teplitz bald zu den bedeutenderen Städten gehört haben, da sich Herzöge nur nach solchen nannten. Ferner erzählt er, daß einst die Quellen, wie dies auch später im Jahre 1755 bei dem Erdbeben von Lissabon geschah, plötzlich vor den Augen der Anwohner verschwunden seien, was man als eine Strafe der Gottheit ansah, weil sich die Besitzer den Gebrauch der Quellen hätten bezahlen lassen.
Im Gegensatz zu Hajeks Angabe, nach welcher die Entdeckung der Teplitzer warmen Quellen 762 erfolgt sei, giebt der schon genannte Balbinus das Jahr 502 n. Chr. an; von anderen Schriftstellern werden noch die Jahre 507, 616 und 858 angeführt. Das in dem Teplitzer Stadtwappen befindliche Bild des Hauptes Johannes des Täufers, welches auf einer wagerecht gestellten Schüssel ruht, bezieht sich auf die sagenhafte Angabe, daß der Tag der Entdeckung der 29. August gewesen sei. (Erzgebirgszeitung a. a. O.) – Es ist nicht uninteressant, wie die Sage auch von andern warmen Heilquellen meldet, daß dieselben zufällig durch Tiere entdeckt wurden. So wird z. B. erzählt, die Schwefelquellen des Bades Warmbrunn in Schlesien seien im 12. Jahrhunderte bei einer Jagd des Herzogs Boleslaus von Schweidnitz und Jauer dadurch aufgefunden worden, daß man einen Hirsch aufspürte, welcher, seinem Instinkte folgend, in dem »warmen Borne« als leidendes Tier ein Bad nahm. (Vom Fels zum Meere. Sommerfrische, 1884, S. 500.)
523. Die Namen der Stadt Zwickau.
(Tobias Schmidt, Chronica Cygnea oder Beschreibung der sehr alten, löblichen und Churfürstl. Stadt Zwickau. Zwickau, 1656, S. 8.)
Einige halten dafür, Zwickau habe vor Alters geheißen Cygna, sei also benannt von dem alten Fürsten Cygno, welcher einesteils für Herculis Sohn, einesteils für seiner Nachkommen einen, einesteils auch für seinen Wandergesellen gehalten wird. Diesem sollen Gottesdienst und Ehre in der Gegend von Zwickau mit Aufbauung der Tempel und Altäre in der Heidenzeit erzeigt worden sein. – Andere sagen, diese Stadt habe den Namen von Cygno des Harminii und Sachsen-Königs, so den Römer Quintilium Varum erlegt, Kriegs-Obristen einen, dem denn auch dieselbe Gegend, als einem Statthalter gegeben und zuletzt ganz erblich gelassen worden sei. – Etliche leiten diesen Namen von demjenigen der alten Fürstin Schwanhildis ab und sprechen, dieselbe ganze Gegend von der Mulde an bis an die Pleiße sei derselben Frauen zu Ehren durch König Karl, Karls des Großen Sohn, nach ihrem Namen Cignavia oder Schwanenfeld benannt worden, wie auch die Reime am Rathaus vor Alters bezeugt haben, welche also gelautet:
Schwanhildis gherrscht an diesem Ort,
Nach ihr Schwanfeld genannt ward.
Dieser Name ist eine lange Zeit gebräuchlich gewesen, nämlich bis auf Kaiser Heinrich des Ersten Zeiten, der Ursach gegeben, den Namen zu verändern und die Stadt vom Verzwicken Zwicka zu nennen. – Etliche meinen, der Name sei daher gekommen, weil der Kaiser drei Schwanen zur Zeit der Erbauung habe sehen auf der Mulde schwimmen, so hätte er die Stadt davon genannt. Es haben zwar etliche noch andere Meinungen, aber sie können doch dieser nicht vorgezogen werden. Denn sie sagen, Zwicka habe des Namens Ursprung von Zwickbärten, welche die Zwickauer vor Zeiten getragen haben und sonsten nicht jedermann hat tragen dürfen, darauf sie auch sonderlichen sind privilegiert gewesen.
Immisch hat in seiner Arbeit über die slawischen Ortsnamen im Erzgebirge (Annaberg, 1866) die Ableitung des offenbar slawischen Namens Zwickau als von Wiki, der Markt, möglich hingestellt, so daß derselbe dann mit Wikow, dem wendischen Namen für Elsterwerda, gleichbedeutend wäre und so viel als Marktplatz heiße. Jedenfalls entwickelte sich die Ansiedlung infolge ihrer günstigen Lage sehr bald zu einem Handelsplatze; sie lag an den alten Verkehrswegen nach Böhmen zwischen Leipzig und Nürnberg, mußte also besonders im Mittelalter eine Station des Handelsverkehrs zwischen Nord- und Süddeutschland werden.