6) Die fruchtbare Thorheit, eine frühere Silbergrube bei Schneeberg, erhielt ihren Namen von folgender Begebenheit: In den ersten Jahren des Schneeberger Silberbergbaues war man so silberhungrig, daß man jeden Fleck Erde für das Gewölbe einer unterirdischen Schatzkammer halten mochte. Damals schlug auch der Münzmeister Funk sogar in seiner Schmelzhütte ein und beschädigte dadurch das Gebäude, worüber man allgemein lachte. Da aber nachher die Zeche ergiebig war, nannte man sie bezeichnend »fruchtbare Thorheit.« (Merkels und Engelhardts Erdbeschr. v. Kursachsen, 1. B., S. 171.)

602. Die alte Mordgrube bei Freiberg.

(Moller, Theatrum Freibergense Chron. II, S. 61. Wilisch, Kirchen-Historie von Freiberg etc., II, S. 301.)

Eine der größten Zechen Freibergs war bereits vor Jahrhunderten diejenige, welche später die Mordgrube genannt wurde. Der Grund zu dieser Benennung schreibt sich von folgender Begebenheit her: Als die Gruben mit einer großen Menge Berghäuer belegt waren, welche an Feiertagen gewisse Zusammenkünfte, und dabei an den Zechenhäusern gemeine Tänze abhielten, geschah es, daß an einem solchen Orte, zwischen Berthelsdorf und Erbisdorf, als gerade ein öffentlicher Reihetanz abgehalten wurde, ein Priester mit der Monstranz vorüberging, um einen Kranken zu berichten. Als der voranschreitende Meßner das gebräuchliche Zeichen mit dem Glöckchen gab, hat unter den Tanzenden und Zuschauenden niemand desselben wahrgenommen, außer der Spielmann, welcher zum Tanze gefiedelt; derselbe ließ sich auf das eine Knie nieder, um dem heiligen Sakrament Ehre zu erweisen. Da soll sich alsbald die Erde geöffnet und die ganze anwesende Gesellschaft lebendig verschlungen haben, ausgenommen den Spielmann, welcher sich auf einem kleinen Hügel erhielt, bis man ihm zu Hülfe kam. Darauf ist auch der Hügel niedergegangen, so daß man weder Tänzer noch Tänzerinnen mehr gesehen. Man hat lange Zeit darauf an diesem Orte nicht weiter bauen können und erlangte auch den Schmuck und das Geschmeide der Vergrabenen nicht wieder, so viel man sich Mühe gegeben. Was man des Tages bewältigte, das ist des Nachts wieder eingegangen. In der Kirche zu Erbisdorf soll früher die ganze Begebenheit bildlich dargestellt gewesen sein.

603. Ursprung des Namens Pacemmühle in Schneeberg.

(Meltzer, Hist. Schneebergensis, S. 150.)

In der Pacemmühle an der Kobaltstraße in Schneeberg soll ehemals ein böhmischer Müller gewohnt haben, welcher zu jedem Knaben zu sagen und ihn zu rufen pflegte: Bacchale patszem! welches in böhmischer Sprache so viel geheißen als: Junge, komm her! Wie nun das erste Wort zu Schneeberg gar gemein geblieben, daß man einen Jungen Bacchale zu rufen pflegte, so hat auch das andere leicht den Namen des Pacemmüllers und der Pacemmühle aufbringen können.

604. Die Mordhütte bei Weiters-Wiese.

(Mitgeteilt vom Lehrer Thuß in Tellerhäuser.)

Unweit Weiters-Wiese bei Karlsfeld liegt im Walde ein altes Torfhaus, welches die Mordhütte genannt wird. Es soll früher daselbst eine Pechsiederei gewesen sein; der daselbst die Arbeiten leitende und Aufsicht führende Pechsteiger aber war durch irgend welche Umstände mit einem seiner Leute verfeindet. Als der Steiger nun eines Mittags in der Hütte schlief, goß ihm sein Untergebener siedendes Pech in den offen gehaltenen Mund, so daß er sterben mußte. Von dieser Begebenheit soll sich der Name jener Hütte herschreiben.