(Gräße, Sagenschatz d. K. Sachsen, Nr. 468.)

Als Wahrzeichen der Stadt Chemnitz zeigte man sonst das Bächlein, welches mitten über den Markt floß, und den ausgehauenen weiblichen Kopf am Pfortenthor rechts bei dem äußern Eingange. Der Kopf sollte anzeigen, daß vor vielen hundert Jahren hier eine Nonne eingemauert oder hingerichtet ward, die einen unnatürlichen Frevel mit einem Hunde verübt hatte. Nach anderen hätte sie als Strafe fünf Mauertürme vom Nikolaithore bis zur Pforte erbauen müssen; nach einer andern Sage wäre es eine vornehme Chemnitzerin, namens Hofmann gewesen, und die Sache 1415 geschehen.

Ein anderes Wahrzeichen von Chemnitz war bis 1617 das Bild des sogenannten Grütznickels, eines Stadtoriginals, der früher hier mit Grützmehl hausieren ging und in einen Schafpelz gekleidet war, an dem Rathausturme. Nach dem Brande von 1617 ward jedoch bei der Wiederherstellung des Turmes (1619) dies Bild nicht erneuert.

622. Das Wahrzeichen von Tharand.

(Gräße, Sagenschatz des K. Sachsen, Nr. 264, Anmerkung.)

Das Wahrzeichen der Stadt Tharand ist eine in Stein gehauene und neben dem Thorwege der Schloßmühle eingemauerte und rot angestrichene Granatblüte, welche sich darauf bezieht, daß die Weißeritz Granaten mit sich führt, weshalb seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts der Ort selbst Granaten hieß.

623. Die Wahrzeichen von Schlackenwerth.

(Fr. Bernau in der Comotovia, 5. Jahrg., S. 100.)

Als Wahrzeichen der Stadt Schlackenwerth bezeichnet man ein »Brotlaibchen«, welches samt der Backschüssel aus Stein gehauen, der allgemeinen Überlieferung gemäß zum ewigen Angedenken des unaussprechlichen Elends und der schrecklichen Not gilt, die der dreißigjährige Krieg über die Stadt und das ganze Böhmerland brachte. Es wurde nach der wirklichen Größe angefertigt, in welcher zur Zeit jenes Krieges das Brot gebacken wurde. Die Backschüssel hat 15, der Stein-Laib 6 Zoll im Durchmesser.