Eine Viertelstunde von Weiters-Wiese liegt der Kranichsee, ein gegen 2 Stunden im Umfang haltendes, mit der Sumpfkiefer bestandenes Hochmoor, in welchem sich die Quellenzuflüsse der Wilzsch, Pyra und Rohlau befinden. Die Sage erzählt nun, daß auf dieser rauhen Fläche einst eine Stadt gestanden habe, deren Bewohner so gottlos waren, daß Gott zur Strafe die Stadt versinken ließ. Dies soll an einem dritten Pfingstfeiertage geschehen sein, und noch will man jedes Jahr an diesem Tage zu einer bestimmten Stunde die unterirdischen Glocken der versunkenen Stadt läuten hören.

S. auch No. 493. Ähnliche Sagen auch anderwärts in Deutschland. Da, wo jetzt der salzige See bei Mansfeld ist, stand einst eine Stadt, welche versunken ist; man hört noch die Glocken in der Tiefe. (Größler, Sagen der Grafschaft Mansfeld, No. 66.) Auf dem Gottesfelde, einer Wiese am Südabhange des Adlersberges in Thüringen, soll ebenfalls eine Stadt gestanden haben, welche Gott versinken ließ, weil die Einwohner gottlos waren. Hier hört man zwar nach der Sage nicht die Glocken in der Tiefe klingen, aber von einem Schweine wurde einst auf dem Platze eine Glocke ausgewühlt, welche jedoch, auch als man sie umgegossen hatte, einen abscheulichen Klang gab. S. übrigens die Bemerkung zur vorhergehenden Sage. (Richter, Deutscher Sagenschatz, 3. H., No. 18.)

684. Die Stadt auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün.

(Mündlich.)

Auf dem Steinberge bei Burkhardsgrün sieht man ein Haufwerk großer Granitblöcke, der Gipfel selbst trägt auf einem Felsen die Überreste eines jüngeren Mauerwerks. Die genannten Blöcke sind die Produkte der Verwitterung, durch welche die Felsmassen des Berges angegriffen wurden, so daß nur Haufwerke der festeren Granitkerne übrig blieben. Die Sage erzählt aber, daß auf dem Berge einst eine Stadt gestanden habe, welche durch die Sintflut untergegangen sei.

685. Die große Glocke in Geyer.

(Ziehnert, Sachsens Volkssagen, Anhang, No 36.)

Von der großen Glocke in dem Bergstädtchen Geyer, welche einsam auf einem alten viereckigen Turme an der Kirche hängt, erzählt die Sage, daß dieselbe auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die Stadt liegt, durch eine Sau mehrere Ellen unter der Erde hervor ausgewühlt und von den Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten, aufgehängt worden sei, aber nicht eher einen reinen und vollen Klang gegeben habe, bis ein Priester sie zu ihrer heiligen Bestimmung feierlich eingeweiht.

Im Jahre 1455 zersprang diese große Glocke von dem heftigen Sturmläuten, womit man auch in Geyer den Prinzenräuber Kunz von Kauffungen verfolgte, wurde aber auf Befehl und Kosten Kurfürst Friedrichs, des Vaters der Prinzen, sogleich umgegossen und der Prinzenraub darauf abgebildet.