686. Die Barbarakapelle in der Dippoldiswaldaer Heide.
(Deubener Zeitung, 1882, No. 70.)
Vor mehreren Jahrhunderten strömten zahlreiche Wallfahrtsscharen am Festtage der heiligen Barbara nach deren Kapelle in der Dippoldiswaldaer Heide. Nach Einführung der Reformation wurde jedoch diese Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen und das Altarbild sowie die Glocken in die Kirche zu Seifersdorf übergeführt. Nach der gemeinen Sage soll die 30 Schritt lange und 16 Schritt breite, jetzt in Ruinen liegende Barbarakapelle von einem Antonius, an welchen der »durch unvergleichlich helles und klares Wasser ausgezeichnete Antoniusbrunnen« erinnert, zu Ehren der heiligen Barbara erbaut worden sein. Dabei befindet sich auch die Antoniuswiese, auf welcher ehemals die Antoniusklause gestanden haben soll.
In »Über Berg und Thal« (6. Jahrg. No. 10) bemerkt Weißbach in Rabenau, daß die Angabe, die Barbarakapelle, auch Klausnerkirche genannt, sei eine Wallfahrtskirche gewesen, der historischen Begründung entbehre. Derselbe führt vielmehr den Namen »Klausnerkirche« auf Klausenkirche, d. h. Nikolauskirche, wie eine solche sich auch in Dippoldiswalde befindet, zurück. Nikolaus war der Patron der Kaufleute und an der an der alten Grenze von Meißen und Böhmen gelegenen Kapelle führte jedenfalls in früheren Zeiten die Handelsstraße aus Böhmen nach Dresden vorüber. Nach einer anderen Meinung war die Kapelle eine Station der nach Kloster Zelle Wallfahrenden, von dem auch das oben genannte, jetzt in Seifersdorf befindliche Altarwerk abstammte. Fraglich ist die Erzählung, daß die Kapelle durch den Bischof Johann von Meißen abgetragen worden sei, da eine andere Nachricht mitteilt, daß sie im dreißigjährigen Kriege eingeäschert wurde. (Beschreibung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des K. Sachsen, 2. Heft (1883), S. 9.)
687. Die Kapelle in Unterwiesenthal.
(Flader, Wiesenthälisches Ehren-Gedächtniß, 1719, S. 5–7. Kirchengalerie von Sachsen, 12. B., S. 147.)
Da, wo jetzt Unterwiesenthal steht, war sonst nichts zu sehen, als ein finsterer, dicker Wald. Daselbst legten böhmische Fuhrleute auf einer grasreichen Wiese und nicht weit von dem roten Hammer einen Heuschuppen an, um nach Überschreitung des Gottesgaber Passes an diesem Orte immer Futter für ihr Vieh zu finden. Bei dem Heuschuppen aber stand eine hohle Fichte, in welche sie zum Schutze ihres Schuppens ein Kreuz mit dem Christusbilde aufstellten. Man nannte es den »gestempelten oder gestümmelten Christus«. Um die Fichte herum aber ist das Gras samt dem roten Klee aufs schönste wie auf einer grünen Wiese gewachsen. Als darauf das Städtchen Unterwiesenthal, dem erst später die Anlage von Oberwiesenthal folgte, gegründet ward, erbaute man an dem Platze, wo die Fichte gestanden hatte, eine Kapelle, nach derem Verfalle die Unterwiesenthaler den Neudörflern die daselbst befindlich gewesene Glocke unter der Verpflichtung liehen, sie ihnen zu gewisser Zeit wieder auszuhändigen. Später gaben die Herren von Schönburg, welche Besitzer des Grundes und Bodens waren, den Gerichten von Unterwiesenthal ein Siegel, und sie nahmen in dasselbe zur Erinnerung an den Ursprung des Ortes ein Kreuz auf, welches auf beiden Seiten und auch unten mit etlichen Kleeblumen versehen ist.
688. Der Marienaltar im Hirschgrunde bei Abtei-Lungwitz.
(Gumprecht, Lindenblätter v. Oberlungwitz, Zwickau, 1863, S. 17 u. 18.)