Gegen Ende des 15. Jahrhunderts sollen einige Fundgrübner zu Neustädtel, die Meerbicken genannt, in ihrem Leben eine solche Pracht und sonst großen Überfluß im Essen und Trinken entfaltet haben, daß sie sich im Bade die Füße mit gebehetem Brot und Malvasier reiben ließen. Sie sind aber in kurzer Zeit so verarmt, daß sie zum Bettelstab greifen mußten und einer von ihnen in Neustädtel vor der Kirche um Almosen bat.
Ebenso ist auch von einem Fleischer, Nikol von Kirchberg, erzählt worden, daß er sich mit seinem Weibe in Malvasier gebadet habe, daß er aber später deswegen die äußerste Armut habe erfahren müssen. Dasselbe Schicksal traf auch einen Wolf Meyer, welcher sich in guter Zeit mit seinem Weibe in Rheinwein badete.
In Annaberg lebte eine vom Bergwerk sehr reich gewordene Frau, die unter anderer Verschwendung sich nicht nur in Wein gebadet, sondern auch ein Stückchen Landes, worauf Erdbeeren wuchsen, mit Malvasier begießen ließ. Als diese Frau hernach bettelarm geworden, sagte sie, sie danke Gott, daß er sie arm gemacht, denn sie würde sonst wenig an ihn gedacht haben.
711. Eine Vogelbirne wird um 1500 Gulden verkauft.
(Meltzer, Hist. Schneeberg., S. 904.)
Daß man eine »Hengel-« oder »Vogelbirne« zu Schneeberg um 1500 Gulden verkauft, ist also zugegangen: Einer hat dem andern für eine solche Birne ein Stückchen Barchent, diesem ein anderer für den Barchent eine Nachtigall, und diesem wieder ein anderer für die Nachtigall einen Kux auf dem Gegentrum des Fürstenvertrager-Ganges, welcher anfangs nicht groß geachtet worden, gegeben. Und da der Kux so herrliche Ausbeute und zwar an die 1500 Gulden gebracht, hat man die Vogelbirne und die Ausbeute mit einander verglichen.
712. Billig verkaufte Häuser in Schneeberg.
(H. Jacobi, Schneeberg, Ein Gedenkblatt zur 400jährigen Jubelfeier, 1881, S. 71.)
Von dem jetzigen Meichßner'schen Hause, Ecke des Marktes und Topfmarktes, erzählt man, daß eine Figur an der Marktecke ein Männlein mit 2 Broten, eins auf dem Kopfe und eins unter dem Arme vorstelle, was auf den Verkauf des Hauses um diesen Preis in der Teurung 1772 hindeuten soll. Ähnliches wird von dem ehemals Trebra'schen Hause berichtet, welches 1792 von einem Klöppelmädchen für 25 Thaler verkauft worden sein soll. Von dem Meichßner'schen Hause erzählt man übrigens noch, daß es jedesmal im Innern gespukt habe, wenn man das Bild an der Ecke entfernte, daß der Spuk aber wieder aufhörte, sobald die Figur an ihre alte Stelle gebracht wurde.