753. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf.

(Nach Berkenmeyer, Cur. Antiquarius S. 652 und W. Schäfer, Der Prinzenraub, S. 50; bei Gräße a. a. O. No. 528.)

Nachdem die beiden sächsischen Prinzen Ernst und Albert ihrem Räuber, dem Ritter Kunz von Kauffungen, durch Gottes Hülfe glücklich entronnen waren, machte der ganze Hof eine Wallfahrt nach der Ebersdorfer Kirche bei Chemnitz, und der Kurfürst ließ daselbst die Kleider der beiden jungen Herrlein, so sie bei ihrer Entführung angehabt, wie auch des Köhlers Schmidt, der sie errettet hatte, Kittel und Kappe aufhängen. Bei den Kleidern wurden folgende Verse angeschrieben:

Kuntz Kauffung der viel wilde Mann,
Im Meißnerland ist kommen an,
Wohl auf das Schloß zu Altenborg,
Sehr frech und kühn ohne alle Sorg,
Dem Fürsten allda seine Kind,
Entführt hat listig und geschwind,
Der Kleider noch sie hängen seht,
Ein jeder der fürüber geht,
Die dazumahl bald nach der That,
Der Vater hergehänget hat.

Die gegenwärtig in der Pfarre von Ebersdorf aufbewahrten Kleider der Prinzen Ernst und Albert sind nur getreue Nachbildungen.

754. Von der Erbauung der Muldenbrücke zu Nossen.

(Alfred Moschkau in der Saxonia II. S. 71.)

Die Steinbrücke, die sich unterhalb des Schlosses Nossen über die Mulde wölbt, steht auf der Stelle einer uralten Furt. Noch Anfang vorigen Jahrhunderts mußte man, um von Meißen her in die Stadt zu gelangen, diese Furt passieren und es gehörte zu deren eifrigsten Frequentanten längere Zeit August der Starke, den die Liebe oft auf das nahe Rittergut Keseberg trieb. Da traf es sich denn einmal, als sein Sehnen groß und er dem Ziele so nahe war, daß er ratlos mit seinem Gefolge an der Mulde rasten mußte, weil der Strom geschwollen und es kein Vorwärts gab. Um nicht wieder in solche fatale Lage zu geraten, ordnete August der Starke sofort den Bau der heutigen Muldenbrücke an.

755. Kunigunde Mathesius von Oederan.

(Staberoh, Chronik der Stadt Oederan, S. 123 etc.)