Am 18. Februar 1613 führten die Tuchknappen zur Feier des Faschings auf dem Markte zu Chemnitz den Schwerttanz auf. Dieser Schwerttanz ist noch heutzutage unter den Salzknappen Halleins und Hallstadts üblich, und er wurde von neun Tänzern, zwei Pfeifern, einem Trommler und zwei Hanswürsten aufgeführt, welche mit dem Spruche auftraten:
Wir treten herein ganz edel und fest,
Und grüßen alle anwesenden Zuschauer aufs Best';
Grüßten wir einen und den Andern nicht,
So möchtens meinen, wir wären die echten Schwerttänzer nicht;
Die rechten Schwerttänzer sind wir genannt,
Wir tragen das Schwert in unserer Hand.
Spielmann, mach' auf den rechten Schwerttanz!
Nun begann der Tanz, indem jeder die Spitze des Schwertes von seinem Nebenmann faßte, mit einem Rondo; alsdann Springen über Schwerter. Darauf legte man die Schwerter nieder, tanzte herum, hob sie wieder auf und bildete eine Schnecke, die sich wieder auseinander winden mußte, ohne daß ein Tänzer die Schwertspitze seines Nachbars losließ. Dann trat ein Hanswurst in den Kreis und kniete nieder. Die Tänzer hielten ihre Schwerter auf ihn, der Vortänzer schwang sich auf diese Schwerter und sprach folgenden Spruch:
Da bin ich heraufgestiegen,
Wär' besser, ich wär' unten blieben;
Der Fasching ist ein verthunlicher Mann,
Hat all sein Hab und Gut verthan;
Er hat verthan sein Hab und Gut,
Bis auf einen alten zerrissenen Hut.
Er reist das Land wohl auf und nieder,
Was er bekommt, versäuft er wieder;
So spring' ich aus dem grünen Kranz,
Spielmann, mach' auf den lustigen Schwerttanz.
Nun ward wiederum ein Rondo getanzt, aber schneller als das erste; die Tänzer traten einer nach dem andern ab, bis Vor- und Nachtänzer allein waren, die sich noch ein paar Mal herumdrehten, mit den übrigen die Schwerter zusammenschlugen und so unter dem Jubelruf der Zuschauer schlossen.
804. Strafe für zänkische Weiber.
(Oesfeld, Histor. Beschreibung von Lößnitz (1776) S. 10. Göpfert, Geschichte des Pleißengrundes (1794), S. 180.)
Auf der rechten Seite ohnweit der Hauptthüre des Rathauses in Lößnitz befanden sich zwei steinerne halbe Zentnergewichte, welche oben einen eisernen, sehr weiten Angriff hatten und auf der einen Seite glatt, übrigens aber rund und an einem Ring aufgehangen waren. Auf dem einen Steingewichte sah man ein Frauenbild mit einem Bund Schlüssel, welches sie über dem Kopfe hielt, als ob sie damit werfen wollte, und der Umschrift. »Du leugst wie eine Hure.« Auf dem anderen Gewichte war auch ein Frauenbild mit einem »Waschbleu« und den Worten: »Du bist eine Hure«, zu sehen, und die gemeine Sage war, daß in alten Zeiten diese Gewichte von zänkischen Weibern, welche sich geschlagen, öffentlich hätten herumgetragen werden müssen.
Eine ähnliche Strafe gab es in Crimmitschau. Wenn daselbst Weibspersonen einander geschimpft hatten, so mußten sie an der Rathausthüre einander gegenüber stehen und ward jeder eine Art von bleiernem Gewichte an den Hals gehängt.
In Bautzen war es im Mittelalter bis gegen Ende des 17. Jahrh. eine gewöhnliche Strafe für zänkische Weiber, daß sie sogenannte Schandsteine, welche die Form von runden Flaschen hatten, an einer eisernen Kette um den Hals durch die Stadt tragen mußten. Man nannte diese Strafe das Flaschentragen oder das trinken aus des Büttels Flasche. (Haupt, Sagenbuch d. L. II. No. 89.) Auch in Leipzig gab es für solche Weiber, welche sich auf dem Markte schlugen, rauften oder einander schmähten, Schandsteine, die der Rat 1624 neu anfertigen ließ. An manchen Orten wurden auch diejenigen Personen damit geschmückt, welche nächtlichen Straßenlärm machten. Da und dort hatten diese Steine Brotform, und daher schreibt sich wohl auch die Redensart: Ein schwerer Bissen Brod. In Lübeck hatten sie die Form von Schüsseln, und nach dem Dortmunder und Halberstädter Statut von 1348 sollten sie das Gewicht eines Zentners haben. Waren die »losmäuligen« Frauen wohlhabend, so konnten sie sich von dieser schmachvollen Strafe durch einen Sack voll Hafer, der mit einem roten Bande zugebunden sein mußte, loskaufen. (Schäfer, deutsche Städtewahrzeichen, I. S. 54.)