Deutsche Sagen und unter diesen auch solche aus dem böhmischen Erzgebirge erzählen uns ebenfalls von Moosweibchen, welche vielfach mit Wald- oder Holzweibchen zusammenfließen. Moosweibchen lebten z. B. im Harz in der Gegend von Wildemann. Sie werden uns als freundlich und liebreich geschildert und hatten Gänsefüße. Gleich den Holzweibchen wurden sie vom wilden Jäger verfolgt. Eine Erinnerung an die Moosmännchen hat sich im Harze noch darin erhalten, daß bei Volksfesten verkleidete und über und über in Moos gehüllte Knaben mit einem kleinen Tannenbaum in der einen und einer Sparbüchse in der andere Hand umhergehen und milde Gaben erbitten. (Heine, Sagen etc. aus dem Harze, S. 29.) Eine ähnliche dunkle Erinnerung an diese mythischen Wesen findet sich auch im Vogtlande, wo man an einzelnen Orten, wie in Reichenbach, zu Weihnachten kleine Moosmännchen auf den Tisch stellt.

188. Waldgeist bei Pfannenstiel.

(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 75.)

Hinter Grünhain liegt ein Wald, der Pfannenstiel genannt, auf welchem nicht allein viel Menschen erschlagen worden sind, sondern es hat auch daselbst ein Waldgeist viel Leute geneckt und erschreckt, daß sie davon starben. Dergleichen ist einem Schneeberger mit Namen Mehlhorn begegnet, den es in den Rumpelsbach geworfen, nachdem er dieses Gespenst auf dem Rücken den Berg hinan getragen hatte.

189. Ein Feldteufel zu Grumbach.

(Christ. Lehmann, Histor. Schauplatz etc., S. 76.)

Im Jahre 1654 hielt der Richter zu Grumbach einen Dorfknaben von 13 Jahren zu seinen Schafen. Von diesen führte ihn ein Feldteufel zweimal weg; das eine Mal warf er ihn nach dem Kitzwalde ins dürre Fichtengras, das andere Mal sahe das Gespenst seinem verstorbenen Vater ähnlich, bald mit, bald ohne Kopf, und es trug ihn in der Höhe über drei Äcker weg und warf ihn dann in einen Morast, so daß der Knabe krank wurde und nicht mehr hüten wollte.

190. Der Getreideschneider.

(Spieß, Aberglaube, Sitten etc. des sächs. Obererzgebirges. Programmarbeit. Dresden 1862, S. 14; z. T. mündlich.)

Am Johannesabende in der sechsten Stunde kommt der sogenannte Getreideschneider, der über die Ecke eines Stückes Getreide durchschneidet, von welchem er dann, wenn der Bauer drischt, den vollen Nutzen hat. Um diesem vorzubeugen, nimmt der Bauer Liebstöckelöl (Öl aus Levisticum officinale) und macht, nachdem er den Finger in das Öl getaucht, ebenfalls in der sechsten Abendstunde des Johannestages, drei Kreuze an jede Ecke des Feldes auf die Erde. Ist aber der Getreideschneider bereits dagewesen, so hängt der Bauer, bevor er das Getreide einfährt, ein Büschel Reisigspitzen (frischgrünende Tannenzweige) über dem Scheunenthor auf, drischt sobald als möglich und macht dabei mit dem Reisigbüschel den Anfang. Dann ist der Bann gelöst und der Getreideschneider zieht keinen Nutzen.