In Thierfeld geht die Sage, daß in der Mittagsstunde des Walpurgistages die Vogelbeerbäume und Feldfrüchte von dem Getreideschneider beschnitten würden, ohne daß man ihn sieht.
Auch in Thüringen hat man ein ähnliche Mittel, um den Getreideschneider, den man daselbst, sowie im Vogtlande, Bilmschnitter nennt, zu erkennen. Man belegt die Tenne mit sieben Reisigbündeln und bearbeitet dieselben mit dem Dreschflegel; die Person nun, welche während dieses Dreschens an das Scheunenthor tritt, wird für den Bilmschnitter gehalten. (B. Sigismund in »Aus der Heimat«, 1862, No. 13.) – In Süddeutschland heißt der Bilmschnitter »Bilwitzschneider«, und dieser Name erinnert an den slavischen Pilwitz oder Plon, den Gott des Reichtums und zugleich des Todes. Auch die »Pilweisen« der schlesischen und Lausitzer Sagen sind Kobolde oder von Kobolden besessene Menschen, die andern Schaden zufügen. In einer Sage von den Pilweisen zu Lauban tritt ein schwarzer Bock auf; da derselbe auf den Teufel hinweist, so verbindet sich mit den weiblichen Pilweisen (und mit dem Bilmschnitter?) der Begriff der Hexen. – Da die Sagen von gespenstischen Tieren im Kornfelde mit denen vom Bilmschnitter in einer gewissen Verbindung stehen, so erklären sich dadurch vielleicht auch die im Erzgebirge vorkommenden Bezeichnungen »Stoppelhahn« (jetzt allerdings nur in der Bedeutung eines Festes am letzten Erntetage gebraucht) und »Panzelhahn«. Der letztere Ausdruck erinnert an die oben angeführte Sitte des Reisigbüscheldreschens; denn wenn beim Dreschen des Getreides der letzte Schlag fällt, so ruft man demjenigen, welcher diesen Schlag gethan hat, zu: »Du hast den Panzelhahn geschlagen!«
191. Der Hemann im Erzgebirge.
(Anton Aug. Naaff und Friedr. Bernau in der Comotovia, 4. Jahrg., S. 80.)
Während der Hemann im nördlichen Böhmerwalde einen schwarzen Mantel trägt und ein Hut zum Teil sein bärtiges Gesicht beschattet, erscheint derselbe im Erzgebirge, in der Gegend von Preßnitz, Sonnenberg, Weipert u. s. w. ganz in Grau gekleidet. Den Tag über hält er sich verborgen, kommt aber bei einbrechender Dunkelheit aus seinem Verstecke hervor, um seine nächtliche Wanderung zu beginnen, auf welcher er Ungläubige und Frevler erschreckt und nicht selten mit dem Tode bestraft.
192. Der Hemann und andere Waldgeister in Bäringen.
(Grohmann, Aberglauben und Gebräuche aus Böhmen und Mähren. 1. B. 1864, S. 15.)
In Bäringen neckt und ängstigt der Hemann die Menschen. Doch giebt es dort auch noch andere Waldgeister, die gar nicht einmal sichtbar werden, sondern dem nächtlichen Wanderer nur einen »Traf« geben, ihn »muschen« oder ihm einen Tappen anhängen und ihn so erschrecken, daß er krank wird oder einen Ausschlag im Gesichte erhält.
Sollte unser Hemann mit dem schwäbischen »Hojemann«, d. h. Waldmännlein, oder dem »Hoymann« in der Oberpfalz identisch sein? Beide Namen werden von »hojen« d. h. hegen, den Waldhüten, abgeleitet. (Leipziger Illustr. Zeitung, No. 1738.)