Der Geist Gottes ruft den Dienstboten durch den Mund des Apostels zu: Seyd in allen Dingen euren leiblichen Herren gehorsam, nicht mit Augendienst, als die ihr den Menschen gefallen wollt, sondern als Knechte Christi mit Einfalt des Herzens, als die ihr Gott vor Augen habt; Col. III, 22. Daß ihr den Willen Gottes von Herzen thut, und mit Gutwilligkeit dem Herrn dienet, und nicht den Menschen; dieweil ihr wisset, daß ein jeder, was er Gutes thun wird, die Belohnung dafür von dem Herrn empfangen wird; er sey ein Knecht oder ein Freyer. Eph. VI, 5–8.
Aufrichtigkeit, Einfalt des Herzens, Uebereinstimmung unserer Gesinnungen mit unserm äusserlichen Betragen — ist aller Menschen wahre Zierde — insonderheit der Dienstboten. Viele Fehler werden ihnen verziehen, und weniger geachtet, wenn man diese Tugend, die gleichsam die Seele aller Tugenden ist, an ihnen wahrnimmt.
Hüte dich also vor Falschheit und Lügen; hast du etwa gefehlt, oder etwas verbrochen, oder unrecht ausgerichtet, so suche nicht dir mit einer Lüge aus der Sache zu helfen, sondern gestehe und bekenne deine Fehler, und bitte aufrichtig um Vergebung, und laß es dir für ein andermal zur Warnung dienen.
Ueble Laune, mürrisches, störrisches Wesen, Schalkhaftigkeit, sind an einem Dienstboten unerträglich. Glaube an Gottes Fürsehung, ohne dessen Wille kein Haar vom Haupte fällt, und denke an das Gute, das du genießest, mehr als an das Uebel, das du leidest, so wird es dir leichter werden, zufrieden, ruhig, heiter zu seyn, und dich von aller Schalkheit zu entfernen.
Hüte dich vor Geschwätzigkeit und noch mehr vor Verläumdung. Sey nicht vorwitzig, die Geheimnisse des Hauses, wo du dienest, auszuforschen und auszuplaudern. Mache die etwaige Fehler deiner Herrschaft niemanden bekannt; suche sie, so viel möglich, zu verdecken und geheim zu halten.
Auch die Geheimnisse, die dir von deiner Herrschaft anvertrauet werden, die sollst du gewissenhaft bey dir behalten, und nicht verschwätzen, und wenn man dich auch darüber fragen würde.