Sey auch mit einem billigen Lohne zufrieden; und nicht neidisch und scheel! Gott ist dein Lohn — und der Himmel deine Hoffnung, wenn du hienieden dich in guten Werken und in der Geduld übest, und Gottes Wohlgefallen, Gottes Reich, Ehre und Seeligkeit suchest.

Was du ohne deine Schuld zu leiden hast, das leide du vor Gott als ein Jünger Christi! Freue dich, wenn du seiner Leiden theilhaftig wirst, damit du dich auch in der Offenbarung seiner Herrlichkeit freuen und frolocken mögest.

Jedes Leiden dieser Art wird dir noch in der Ewigkeit Nutzen und Freude bringen — jedes zurückgehaltene Wort des Unwillens, jede unterdrückte Entschuldigung deiner selbst, wodurch deine Herrschaft nur noch zu mehrerm Eifer gereitzt worden wäre; jedes edelmüthige Stillschweigen, oder ehrerbietige Gelassenheit bey ungerechten Vorwürfen; jedes Bestreben, Verdruß und Zank abzuwenden, und demselben zuvor zu kommen; jede Thräne des Mitleids mit dem unglücklichen Gemüthszustand deiner Herrschaft; jeder liebreiche stille Seufzer, den du mit redlichem Herzen für sie zu Gott schicktest; nichts von dem allen wird von Gott vergessen werden, wird unbelohnt bleiben; das alles wird für deine Seele von den besten und gesegnesten Folgen seyn; dafür werden dir einst Freuden ohne Zahl und ohne Maaß zu Theil werden.

Es ist edel und schön, um anderer Willen zu leiden; schön und edel und Gott wohlgefällig, die zu lieben, die uns hassen; die zu segnen, die uns fluchen; denen Gutes zu thun, die uns beleidigen, für die zu bitten, die uns mit Zorn und Unwillen verfolgen; denen mit aller Treue zu dienen, die alle unsere Treue verachten; mit denen immer zufrieden zu seyn, die niemals mit uns zufrieden sind. Das heißt: In Jesu Christi Fußtapfen treten, und der himmlischen Güte ähnlich werden, die auch Undankbare und Boshafte trägt; das heißt: Jesum Christum ehren, und seine Langmuth, Geduld und Güte andern Menschen gleichsam darstellen, offenbaren und sichtbar machen. — Ihr Dienstboten! dieß st ist Gottes Meynung hierüber — Seyd eurer Herrschaft mit aller Furcht und Ehrerbietung unterthan, nicht allein den guten und bescheidenen, sondern auch den ungeschlachten, den bösen und wilden; denn das ist eine Gnade, so jemand um des guten Gewissens willen vor Gott Traurigkeiten erträgt, und Unrecht leidet. Denn was wäre das für ein Lob, wenn ihr um Missethat willen mit Fäusten geschlagen werdet, und das erduldet? wenn ihr aber um Wohlthaten willen leidet, und es dann erduldet, das ist eine Gnade bey Gott; denn darzu seyd ihr auch berufen, weil auch Christus für uns gelitten, und uns ein Vorbild gelassen hat, daß ihr seinen Fußtapfen nachfolgen sollt, welcher keine Sünde gethan hat, in dessen Mund kein Betrug erfunden ist, welcher, als er gescholten ward, nicht wiederschalt; als er litte, drohete er nicht, sondern überließ es dem, der da recht richtet. 1. Petr. II, 18–23.

Sey auch mit deinem Lohne zufrieden, besonders, wenn er dir nach Abrede, und zu rechter Zeit gegeben wird. Ueberhaupt lerne zufrieden zu seyn mit allem, so wird alles dir zum augenscheinlichen Segen werden.

Und nun will ich noch zwey Worte beyfügen, und alles übrige deiner eignen Einsicht, und deinem Gewissen überlassen. —

Wenn du etwa Kindern abwarten must, so thu es doch mit aller Treu und Sorgfalt, als wenn sie deine eigne Kinder wären. Sey vorsichtig, wo du mit ihnen hingehst, wenn du sie niedersetzest, stellst, führst oder trägst. Spring nicht mit ihnen muthwillig hin und her! Verlasse sie nie, wenn du bey ihnen seyn sollst. Lehre sie nichts Böses, sondern Gutes. Erzähle ihnen keine Mährlein! Nichts von Gespenstern und bösen Männern; nichts vom Satan und Hexen; nichts von einem erzörnten Gotte, wenn es donnert; nichts von dergleichen Dingen, die entweder ganz keinen Grund haben, oder wovon du nichts verstehest, und das Kind nichts verstehen soll. Am allerwenigsten gewöhne sie zum Ungehorsam gegen ihre Eltern; sondern suche ihnen Achtung und Liebe gegen sie ins Herz zu pflanzen. Dein schneller Gehorsam müsse ihnen zeigen, wie sehr ihre Eltern des Gehorsams würdig sind. — Wenn du aber auch den Kindern eben nicht selbst abwarten must; so sey sonst liebreich und gefällig gegen sie. Erzeige ihnen nach ihrem Betragen und ihrem Alter Achtung und Liebe.

In Ansehung deiner Nebendienstboten, wenn du solche hast, bezeige dich freundlich und friedlich! Weiche Zank und Streit aus! Hilf ihnen, und mach ihren Dienst nicht schwerer, sondern leichter! Sey ihnen ein gutes Exempel der Treu und des Gehorsams. Tritt nie mit ihnen wider deine Herrschaft zusammen! Verläumde und verschwätze sie nie mit ihnen. Ermuntre sie zur Geduld und zur Treue. Sind sie frömmer als du, so verlache sie nicht, und mach ihnen ihre Frömmigkeit nicht schwer! Sind sie nicht so fromm, wie du meynest zu seyn, so verachte sie nicht, verdamme sie nicht! Suche sie durch stille Tugend, unsträfliche Treu und sanfte Güte zu gewinnen — denn, wenn du dieß thust, so kannst du dich und andere seelig machen.

Hast du etwa übrige Zeit, so nutze sie zum Guten; zur Vermehrung deiner christlichen Erkeuntniß Erkenntniß und Tugend. Lies, lerne, oder schaffe etwas nützliches. — Das übrige, was ich dir etwa sonst noch zu sagen hätte, sey deiner eigenen Einsicht und deinem Gewissen überlassen. Bitte Gott um Weisheit, insonderheit bey der Wahl und etwaigen Abänderung deines Dienstes; und wenn du etwa in andere bedenkliche Gewissensfälle kommst; und gieb acht, daß du dir weder durch unchristliche Leute, noch durch unedle, unordentliche Leidenschaften deines Herzens rathen lassest.