Dies sagte sie mit nassen Wangen
Und zog ihn eilends brünstig fort
Und führte sein bestürzt Verlangen
An den schon oft besuchten Ort,
Wo nichts als Graus und Nacht regieret
Und Tod und Stille triumphieret.
Hier fing sie brünstig an zu weinen
Und rief: Ihr Toten, zeuget mir,
Bei meiner Eltern Leichensteinen
Und ihrer Asche schwör' ich dir,
Daß mich dein Herz allein vergnüge,
Bis daß es hier versammlet liege.
Du wirst die Redlichkeit erkennen
Und, bin ich gleich ein armes Kind,
Mir ewig deine Seele gönnen.
Ich weiß zwar, wie die Männer sind;
Aus Liebe glaub' ich deinen Schwüren,
Sie werden mich wohl nicht verführen.
Der Dichter trocknet ihre Tränen
Mit tausend warmen Küssen ab,
Und als das weich' und stumme Sehnen
Ihm endlich Zeit zur Antwort gab,
So zog er die geliebten Glieder
Mit diesem Trost ins Gras darnieder:
Komm her, du Nahrung meiner Flammen,
Komm, lege dich an meine Brust,
Hier wohnen Glut und Treu beisammen,
Hier wallen sie nur dir zur Lust;
Hier wird, sooft das Herze schläget,
Dein Bildnis fester eingepräget.
Ich lebe dir allein zu eigen,
Und leb' ich gleich vorjetzt gedrückt,
So wird sich bald ein Mittel zeigen,
Das unsre Tugend höher rückt,
Alsdenn soll unser Rosenbrechen
Die Mißgunst in das Auge stechen.
Du bist mein einziges Ergetzen,
Ich bin, nächst Gott, dein Schutz und Schild,
Und wie der Wert von allen Schätzen
Mir gegen dein Verdienst nicht gilt,
So sollst du auch nach langen Jahren
Die Dauer meiner Lieb' erfahren.
[An die Leipziger Leonore]
Nun, Kind, ich kann dich nicht mehr bitten:
Behalt mein Herz in treuer Brust!
Das Denkmal deiner muntern Sitten
Erweckt mir auch von weitem Lust,
Und wo ich reise, wohn' und bin,
Da folgt mir dein Gedächtnis hin.
Ein Waldhorn klingt bei Abendstunden
Von weitem durch die Gärten schön,
Es reizt das Blut verliebter Wunden
Und läßt die Geister flüchtig gehn;
Jedoch ergetzt mich das Gehör
Von deinem Wohlsein noch viel mehr.