Erzürnte Schöne, laß einmal
Den alten Unmut aus dem Herzen
Und deiner holden Augen Strahl
Mit angenehmen Blicken scherzen.
Ich habe freilich viel versehn,
Doch ist's aus Vorsatz nicht geschehn.
Es sind fürwahr nur Schwachheitssünden.
Ein Mensch, der seine Schuld erkennt,
Der muß, so sehr der Eifer brennt,
Auf Reu und Buße Gnade finden.

Der Schaden, den ich dir gemacht,
Ist doch noch endlich zu ersetzen;
Ach wüte doch nur mit Bedacht!
Du sollst mich einmal redlich schätzen.
Ich habe ja genug gebüßt,
Nachdem ich meine Lust vermißt,
Wozu du mich vorlängst erlesen:
Die Strafe nehm ich willig an,
Weil sie, wie ich nicht leugnen kann,
In etwas ist verdient gewesen.

Von nun an aber bitt' ich dich
Bei deinen feuerreichen Augen:
Wirf Zorn und Eifer hinter dich
Und laß dir meine Demut taugen.
Dein klug- und aufgeweckter Geist,
Der sich aus allen Worten weist,
Macht, daß ich deinen Umgang liebe:
Fehlt mir Gelegenheit dazu,
So rate, was ich jetzund tu?
Dich ehr' ich mit verschwiegnem Triebe.

[Als sie sich endlich zum Lieben bewegen ließ]

Eleonore ließ ihr Herze
Nicht länger unempfindlich sein,
Sie räumt' es nach so langem Schmerze
Dem wohlbekannten Dichter ein
Und ließ ihn unter Schwur und Küssen
Den Anfang ihrer Neigung wissen.

Sie nahm ihn in die treuen Armen
Und sprach bei zärtlicher Gewalt:
Hat ja der Himmel ein Erbarmen,
So gönnt er mir den Aufenthalt,
Bis daß ich in dem sanften Grabe
Das Ziel der Angst erlanget habe.

Drauf schwieg sie mit verwandten Blicken
Und strich des Dichters Angesicht,
Ergötzt ihn durch ein Händedrücken
Und sprach von neuem: ach, mein Licht!
Ach! wird auch dieses mein Verbinden
Dein Herz beständig rein erfinden?

Bedenke nur, wieviel ich wage,
Und was ich deinetwegen tu!
Ich eile mit Gefahr und Plage
Nach deinen schönen Lippen zu
Und breche dir allein zuliebe
Die Ketten meiner ersten Triebe.

Ich habe nichts als dein Gemüte,
Worauf ich mich verlassen kann:
Verläßt mich jemals dessen Güte,
So ist es ganz um mich getan,
So werd' ich allen auf der Erden
Ein Märchen und ein Greuel werden.