Hat jemals Furcht und Scham, du angenehmes Kind,
Dem wenig an Verstand und Schönheit ähnlich sind,
Den angesetzten Kiel mir in der Hand verrücket,
So ist es wahrlich wohl auf diesen Tag geschehn,
Da meine Grobheit es um deine Gunst versehn
Und meine Demut sich vor deinem Eifer bücket.
Ich fühle deinen Zorn, der als ein scharfes Schwert
In meine Seele dringt und durch das Herze fährt;
Ein jeder Blick von dir verweist mir das Verbrechen:
Mich deucht, ich sehe schon, wie heftig, wie erhitzt
Der Augen Wetterstrahl auf meine Scheitel blitzt;
Mich deucht, ich höre dich schon zu dir selber sprechen:
Ist dies der schöne Mensch, der sich so heilig stellt,
Und der kein Wasser trübt, bis er ins Wasser fällt?
Das, wahrlich! hätt' ich mich von ihm nicht träumen lassen,
Das hätt' ich auch in ihm mit Spießen nicht gesucht.
O großer Aberwitz! O Junggesellenzucht!
Ach, möchte doch ein Strick ihn bei der Gurgel fassen.
Ach, keusche Marilis, dein Eifer ist gerecht,
Die Strafe noch zu klein und dein gefallner Knecht
Nicht würdig, nur ein Wort vor dich mehr aufzusetzen;
Ruf alle Henker auf, sprich mir das Leben ab,
Stoß den zerfleischten Leib in ein beschimpftes Grab;
Auch dieses müßt' ich noch vor eine Gnade schätzen.
Allein was nützt dir wohl die schlechte Hand voll Blut
Des Sünders, der in Staub und Asche Buße tut?
Zum Kreuze kriech ich jetzt, wie gestern in das Bette.
Erwäge meine Reu, schau meine Tränen an
Und glaube, daß kein Mensch so ernstlich weinen kann,
Wenn er, wie Petrus, gleich auch Gott verleugnet hätte.
Ich rede fast zuviel, jedoch der herbe Schmerz
Beraubt mich der Vernunft, und mein beklemmtes Herz
Hat in der Brust nicht Raum, weil es der Kummer schwängert.
Erbarme dich, wo noch Erbarmung übrig ist.
Du weißt es ohnedem, der ist kein guter Christ,
Der, wenn er helfen kann, des Nächsten Pein verlängert.
Vergib, vergiß und nimm vor das, was ich verübt,
Dies Blatt, so meine Faust dir zitternd übergibt,
Und schenke meiner Haut vor dieses Mal die Strafe,
Entreiß mir deinen Zorn, der mich wie Feuer schmerzt.
Schweig! doch so jemand fragt, ob Günther dich geherzt,
So gib zur Antwort: Ja! Er tat es nur im Schlafe.