[Als sie ihm untreu wurde]
Bleib, wer du bist und willst, Selinde,
Ich bleibe gleichfalls wer ich bin,
Dein Herz besteht wie Rohr im Winde,
Dafür bedankt sich nun mein Sinn.
Und wünscht dir zu der guten Zeit
Nichts weiter als Beständigkeit.
Du hängst dich, wie ich seh, an alle
Und siehst das Herze nicht mehr an,
Ich geh und räume deinem Falle,
Er kommt, der Hochmut kommt voran.
Spott aber, Reue, Gram und Schmach
Folgt wie der Rauch dem Brande nach.
Mit was für Ruh' und für Gewissen
Gedenkst du, falsches Kind, der Lust
In fremden Armen zu genießen?
Wobei du allzeit fürchten mußt,
Itzt trenne Donner, Blitz und Streich
Kuß, Mund und Herzen unter euch.
Ein andrer würd' es wünschen können,
Ich aber bin nicht aufgelegt,
Den Feinden meinen Zorn zu gönnen;
Die Liebe, so mich treibt und regt,
Läßt fahren, was nicht bleiben will,
Und schweigt, wie fromme Kinder, still.
Genug, daß du dich selbst betrogen,
Und etwas wider dich getan:
Bedenk', ich war dir so gewogen,
Als keiner ist und werden kann,
Ich zeigte dir durch wahre Treu',
Was Leben und was Lieben sei.
Die Eintracht zwo vertrauter Herzen
Macht aus der Welt ein Himmelreich,
Ihr reiner Kuß verbeißt die Schmerzen,
Ihr Auge kommt der Sonne gleich,
Die Wolk' und Regen um sich sieht
Und doch davon nichts in sich zieht.
Den Vorschmack hast du schon genossen,
Betrachte Felsen, Bach und Wald,
Wo ich dich oft in Arm geschlossen
Und unser Scherz noch widerschallt;
Die Vögel wurden selbst erweckt
Und durch Exempel angesteckt.
Du wußtest damals vor Vergnügen
Oft selbst nicht, wo dein Herze wär';
Du bliebest vor Entzückung liegen
Und sagtest, deucht mich, ohngefähr:
Kind, daß mich nicht der schöne Tag
An deiner Brust entseelen mag.