Du ehmals liebster Ort der treuen Leonore,
Wie zärtlich rührt mich nicht der Anblick deiner Tore,
Wodurch ich damals oft an ihrer Hand spaziert!
Dort merk' ich schon den Raum, worauf wir uns versprochen,
Dort blickt der Altan vor, auf dem wir sechzig Wochen
Die Wächter hinter's Licht geführt.
Seid tausendmal gegrüßt, ihr Felder, Sträuch' und Bäume,
Ihr kennt wohl diesen noch, von dem ihr soviel Reime,
So manches Lied gehört, so manchen Kuß gesehn;
Besinnt euch auf die Lust der heitern Sommernächte!
Was meint ihr, wenn mein Wunsch nur eine wieder brächte?
Das wird wohl nimmermehr geschehn!
Wo find' ich aber nun mein Allerliebstes wieder,
Verrät mir gar kein Gras das Lager ihrer Glieder?
Ich spüre keinen Schritt, die Sommerstub' ist leer,
Wie traurig scheinst du mir, du nicht mehr schöner Garten!
Du hast ja zween gehabt, was soll ich einsam warten,
Ach! stell' auch beide wieder her!
Du schickst mich in die Stadt; die treff' ich desto schlimmer:
Der Wirt, das Volk ist neu, ein Gast entweiht das Zimmer,
Worein sonst nichts als wir und unsre Liebe kam:
Mein Gott, wie ändert sich soviel in wenig Jahren!
Was wird nicht noch geschehn? O, sollt' ich dies erfahren!
Wie war mir, daß ich Abschied nahm!
Ich geh' den Tempel aus, ich suche durch die Gassen,
Ich such' auch, wo sie sich wohl niemals finden lassen,
Ich ruf' ihr um den Wall, der Wall hat schlecht Gehör:
Steig', Schweidnitz, steig' und sei ein Phönix in den Flammen,
Bau' Marmor, Erz und Gold und Schloß und Turm zusammen,
Mir bist du doch nicht Schweidnitz mehr!
[An sein Lenchen]
Nach so viel Angst und Neid und mancher trüben Nacht
Ersah ich wiederum des Glückes Morgenröte.
Auf, Musen! auf, und sucht die lang entriss'ne Flöte,
Die uns in Schweidnitz einst den Abend kurz gemacht!
Ihr habt mit mir geweint, ihr sollt auch mit mir singen
Und Lenchens Gegenwart mit Treu und Lust umringen.
Ach, Kind! Ach, liebstes Kind! Ach, könnt' es möglich sein,
Dies mein getreues Herz im Blute zu erblicken,
Sein Jauchzen müßte dich noch halb so scharf entzücken,
So viel hier Tropfen gehn, so viel auch Wünsche schrein,
Dir mit geschickter Hand und tausend Freudenzähren
Die Wollust über dir nachdrücklich zu erklären.
Ich hatte mich nunmehr des Glückes längst verziehn,
Noch einmal auf der Welt mein Lenchen zu umfangen,
Ich ward in fremder Luft von Freunden hintergangen
Und mußte, bloß und arm, bald hier, bald dorthin fliehn;
Die Trübsal machte mich durch Läng' und Größe mürbe,
So daß ich öfters sprach: Ach, gäbe Gott, ich stürbe!