Dort saß ich noch im Rosengarten
Dort wünscht' ich nichts als Ewigkeit,
Der süßen Arbeit abzuwarten,
Mit der mich Lenchens Gunst erfreut.
Dort spielt' ich mit dem lieben Kinde
Früh, mittags, abends, durch die Nacht
Und hielt den Augenblick vor Sünde,
Den ich und sie getrennt vollbracht.
Kein Platz war unserm Lager enge,
Kein Winkel unsrer Lust zu klein;
Wir hatten ganz besondre Gänge
Und nennten Glück und Angst gemein.
Viel Wächter stunden uns im Lichte,
Doch Arglist ward durch List berückt,
Da wurden die verbotnen Früchte
Mit größrer Sehnsucht abgepflückt.
Wieviel vergnügt- und gute Lieder
Gerieten mir an ihrer Hand!
Ich ging die Weistritz auf und nieder,
Bis daß ich sie am Ufer fand;
Hier scherzten wir in allem Wetter,
Oft eh der Tag die Wolken brach,
Und rauschten denn die Erlenblätter,
So ahmten unsre Küsse nach.
Kehrt, güldne Zeiten, kehrt zurücke
Und führt mich gleich persönlich hin,
Da, wo ich mit entferntem Blicke
Und sehnlichen Gedanken bin.
Wie? Hat mein Wunsch ein solch Vermögen?
Ich seh', ihr kommt bereits gerannt,
Doch nein! Ich zieh' euch selbst entgegen
Und seh' bereits ins Vaterland.
Dies ahnt vielleicht dem holden Kinde,
Weil Neigung die Gemüter zieht;
Wer weiß, wie brünstig und geschwinde
Ihr Blick auf alle Straßen sieht!
Mein Engel, laß dich nicht verlangen,
Die Freude bringt das Warten ein,
Es malt sich mir auf deinen Wangen
Des bessern Glückes Morgenschein.
Nun gute Nacht, du edles Sachsen,
Behalt die Tränen meiner Qual!
Wieviel davon schon Gras gewachsen,
Das weiß dein Speck- und Rosental.
Ich will dir gern mein Leid vergeben,
Nur gib dem kleinen Lorchen Ruh,
Denn weil die Sterne widerstreben,
So sag' ich ihm nur Freundschaft zu.
Du aber, seliges Gefilde,
Sei hunderttausendmal gegrüßt.
Nun seh' ich, wie gerecht und milde
Des Himmels weise Führung ist:
Nunmehr erfahr' ich dessen Freude,
Der dort den Rauch von Ithaka
Nach glücklich überstandnem Leide,
Wie ich mein Striegau, wiedersah.
Du weis- und ewiges Erbarmen,
Das überschwenglich ist und tut,
Vergnüge mich in Lenchens Armen
Und schenk' uns nur ein kleines Gut;
Erhalt mir Weisheit, Kunst und Dichten,
Und laß mich, wenn mein Körper fällt,
Kein blind und giftig Urteil richten:
So neid' ich keinen auf der Welt.