[An die Schweidnitzer Leonore]

So sollt' und mußt' es sein: die Strafe folgt der Sünde,
Und so, verführter Geist, geschieht dir eben recht:
Es läßt dich endlich auch die nette Philirinde,
Dies ist es, was dein Herz mit neuem Kummer schwächt,
Dies ist auch, was dich jetzt mit Nachdruck lehren kann,
Wie weh' du Lenchens Brust durch Flucht und Bruch getan.

Ach! freilich tut es weh, wenn solche Ketten springen;
Brecht, süße Fessel, brecht! Ich bin genug gedrückt!
Mich soll kein frischer Kuß in neue Bande zwingen,
Da Philirindens Zorn die letzte Glut erstickt:
Und da mich ihre Flucht auf Erden elend macht,
So sag' ich auf einmal der Liebe gute Nacht!

Der Liebe gute Nacht und auf einmal zu sagen?
Mein Herz, besinne dich und schätze diesen Schluß
Und wisse, daß ein Mensch bei allen Unglücksplagen
Durch wahre Lieb' allein den Gram versüßen muß:
Laß sein, daß dieses Kind den treuen Wunsch betrügt,
Wer weiß, wie bald dich noch was Artiger's vergnügt!

Vergnügt mich diese nicht, so darf mich nichts vergnügen!
Dies ist ein blinder Wahn betörter Weichlichkeit;
Zwei Mittel geben Rat, den Kummer zu besiegen:
Gebrauche der Vernunft, vertrau den Schmerz der Zeit!
Und willst du ja noch mehr und bald getröstet sein,
So nimm mit Buß' und Reu' die alten Flammen ein!

Ja, ja, ich fühle schon die Rückkunft erster Triebe,
Mein Blut erinnert sich der damals reinen Treu',
Es wallt und jauchzt vor Lust und wählt die alte Liebe,
Damit sie dermaleinst des Ehstands Himmel sei! —
Was denkst du dir, mein Herz? O gib dir selbst Gehör:
Du suchest Lenchens Gunst, sie liebt dich ja nicht mehr.

Ich weiß, sie liebt mich noch und kann mich nicht verlassen!
Die Neigung gleicher Art verband uns gar zu scharf:
Komm wieder, liebster Schatz, nun will ich dich umfassen,
Solang ich nur noch hier der Luft genießen darf;
Ist etwas, das uns trennt, so ist's der Leichenstein:
So stärkt der Riß das Band: so sollt' und mußt' es sein!

[Auf der Abreise von Dresden in sein geliebtes Schlesien]

Kommt, tröstet mich, ihr alten Tage,
Und laßt euch einmal wieder sehn,
Sonst muß ich bei so scharfer Plage
Den Tod um Hülf' und Rettung flehn.
Ihr martert mein bedrängtes Herze,
Ihr seid es, was mein Leid verstärkt,
Denn wüßt' ich nichts von eurem Schmerze,
So hätt' ich kaum die Not gemerkt.

Ihr habt mir dort durch Lenchens Küsse
Mund, Sehnsucht und Geschmack verwöhnt,
Sobald mir die geneigten Schlüsse
Den Weg ins Paradies gebähnt.
Auf Zucker wächst des Wermuts Schärfe,
Wie jetzt mein Kreuz auf eurer Lust,
Denn wenn ich dies in mir entwerfe,
So ächzet die gedrange Brust.