[Gedenken]
An Leonore
Gedenk' an mich und sei zufrieden
Mit dem, was Glück und Zeit beschert.
Wir werden noch einmal geschieden
Und scheinen solcher Prüfung wert.
Die wahre Treu erinnert dich:
Halt' an, halt' aus und denk' an mich!
Gedenke der vergangnen Tage,
Wie manches Kreuz, wie manche List,
Wie manche Lust, wie manche Plage
Bereits damit vergangen ist.
Gedenk' an Altan, Hof und Herd,
Wobei sich dir mein Herz erklärt.
Gedenk' an unser Abschiednehmen,
Insonders an die letzte Nacht,
In der wir mit Gebet und Grämen,
Die kurzen Stunden hingebracht.
Gedenk' auch an den treuen Schwur,
Der dort aus deinen Lippen fuhr.
Gedenk' an mich an jedem Morgen,
Und wenn die Sonne täglich weicht,
Gedenk' an mich bei Fleiß und Sorgen;
Mein Bildnis macht sie süß und leicht.
Verletzt dich auch der Mißgunst Stich,
Der beste Trost: Gedenk' an mich.
Gedenk' auch an die frohen Zeiten,
Die noch in Wunsch und Zukunft sind.
Die Vorsicht wird uns glücklich leiten,
Bis Lieb' und Treu den Kranz gewinnt.
Ein Augenblick vergnügter Eh'
Bezahlt ein Jahr voll Angst und Weh.
Gedenk' auch an mein heutig Küssen,
Es gibt der Hoffnung frische Kraft,
Es wird dein Warten trösten müssen,
Es nährt die alte Leidenschaft!
Doch denk' auch endlich, liebst du mich,
Allzeit und überall an dich!
[Die immer grünende Hoffnung]
An Leonore
Stürmt, reißt und rast, ihr Unglückswinde,
Zeigt eure ganze Tyrannei!
Verdreht, zerschlitzt so Zweig als Rinde
Und brecht den Hoffnungsbaum entzwei!
Dies Hagelwetter
Trifft Stamm und Blätter,
Die Wurzel bleibt,
Bis Sturm und Regen
Ihr Wüten legen,
Da sie von neuem grünt und Äste treibt.