Dies alles, sag' ich, sind fürwahr
Die Friedensstörer meiner Sinnen.
Ach, könnt' ich, sprech' ich, noch ein Jahr
Von der verfloßnen Zeit gewinnen,
So höre meines Lebens Lauf,
Wenn es verflossen, willig auf!
Ach, Kinder, ach! ich kann nicht mehr
Die Finger vor Betrübnis rühren.
Gebt meiner Bitte noch Gehör,
Laßt mich die alte Regung spüren,
Verändert nicht die reine Treu,
Und steht mir bei dem Höchsten bei!
[Johannchen] denke, dieses Wort
Geht aus der Tiefe meines Herzens;
Ach, setze deine Freundschaft fort,
Entbinde mich des harten Schmerzens,
Der mich um derentwillen plagt,
Die mir ihr Herze zugesagt.
Ach, sorge für mein liebstes Kind;
Ich weiß, sie wird es dir noch danken.
So wahr mir jetzt das Auge rinnt,
So wahr werd' ich und sie nicht wanken.
Gedenke, sag' ich noch einmal,
Der alten Lust, der neuen Qual.
Ich gründe mich auf deine Gunst
Und traue deiner reinen Güte.
Es ist gewiß kein falscher Dunst:
Ich seh' dein redliches Gemüte,
Laß mich — ach, möcht' es bald geschehn! —
Von dir doch einen Trostbrief sehn.
Du, meines Herzens halber Teil,
Mein Kind, mein Schatz, mein Heil, mein Leben,
Wirst gleichfalls mir in aller Eil'
Ein Pflaster vor die Wunde geben,
Bleib fromm und redlich, halt getreu:
Ein böser Tag geht auch vorbei.
Ich weiß, der Gott, dem mein Gebet
Um Mitternacht das Opfer bringet,
Erhört, was meine Demut fleht,
Die oft mit der Verzweiflung ringet.
Ich weiß, daß er, hab' ich gefehlt,
Die Tränen nicht vergebens zählt.
[Als er sie seiner beständigen Treue versicherte]
Weine nicht, mein Kind, ich bleibe
Dir bis in den Tod getreu.
Glaube, was ich denk' und schreibe,
Ist und heißt stets einerlei,
Weil die Redlichkeit zum Lieben
Mir Gesetze vorgeschrieben.
Gott und Himmel können zeugen,
Daß ich dir beständig bin;
Eher wird die Wahrheit schweigen,
Als mein falsch- und leichter Sinn
Das geknüpfte Band zerreißen
Und des Meineids schuldig heißen.