Laß die Wetter unterdessen
Über unsrer Unschuld stehn!
Mußt du bittre Mandeln essen
Und vor jetzt auf Dornen gehn,
So bedenke, das Vergnügen
Wird uns einst zusammenfügen.
Warte mit Geduld der Freude
Und der ungemeinen Lust,
Welche du mit diesem Leide
Dir zuvor verdienen mußt;
Endlich werden deine Tränen
Uns den Weg zur Wollust bähnen.
Jetzo geb' ich deinem Kusse
Eine kurze gute Nacht
Und gehorche diesem Schlusse,
Welchen das Verhängnis macht;
Doch will ich in wenig Tagen
Dir die Ankunft wieder sagen.
Lebe wohl! die Zunge stammelt,
Und der Augen nasses Heer,
Das die Wehmut schon versammelt,
Macht so Hand als Feder schwer
Und verbietet meinem Willen,
Diesen Bogen anzufüllen.
[An die Freundin der Geliebten]
Die Liebe weckt an diesem Morgen
Den Kummer der verliebten Sorgen
Mit mir gar zeitig wieder auf,
Die Seufzer wachen in dem Munde,
Die Tränen suchen aus dem Grunde
Des Herzens ihren alten Lauf.
Die Schmiedin meiner süßen Kette
Zieht meine Faulheit aus dem Bette,
In welchem sie der Schlaf noch wiegt.
Ihr Auge schläft, ich aber weine,
Die Einsamkeit sitzt auf dem Steine,
Der mir an meinem Herzen liegt.
Ach, denk' ich, bringt dies nahe Scheiden
Von ihrer Brust ein solches Leiden,
Da nur ein Zimmer uns zertrennt:
Wer wird doch meine Wunden heilen,
Wenn Land und Luft uns einmal teilen
Und Schweidnitz mir kein Brot mehr gönnt?
Die Zähren mühn sich, meine Klagen
Mit stummer Sprache nachzusagen,
Allein die Angst vertrocknet sie:
Ach! wem vertrau' ich diesen Jammer?
Der freien Luft? der tauben Kammer?
Ach, beides ist vergebne Müh!
Die Redlichkeit von deinem Herzen,
Getreues Kind, weicht meinen Schmerzen,
Die Heimlichkeit der schweren Not:
Mich deucht, die Last wird halb so leichte,
Sobald ich dir den Kummer beichte,
Der mir den letzten Abschied droht.