Genug! Ich muß, die Marterglocke schlägt!
Hier liegt mein Herz, da nimm es aus dem Munde
Und heb' es auf: die Früchte, so es trägt,
Sind Ruh' und Trost bei mancher bösen Stunde,
Und lies, sooft dein Gram die Leute flieht,
Mein Abschiedslied.

Wohin ich geh, begleitet mich dein Bild,
Kein fremder Zug wird mir den Schatz entreißen;
Es macht mich treu und ist ein Hoffnungsschild,
Wenn Neid und Not Verfolgungssteine schmeißen,
Bis daß die Hand, die uns hier Dörner flicht,
Die Myrten bricht.

Erinnre dich zum öftern meiner Huld
Und nähre sie mit süßem Angedenken.
Du wirst betrübt: dies ist des Abschieds Schuld,
So muß ich dich zum ersten Male kränken,
Und fordert mich der erste Gang von hier,
So sterb' ich dir.

Ich sterbe dir, und soll ein fremder Sand
Den oft durch dich ergötzten Leib bedecken,
So gönne mir das letzte Liebespfand
Und laß ein Kreuz mit dieser Grabschrift stecken:
Wo ist ein Mensch, der treulich lieben kann?
Hier liegt der Mann!

[An Magdalis]

Mein Engel, nimm von mir so viel getreue Grüße,
Als Tropfen mir anjetzt aus Kiel und Augen gehn,
Als Seufzer ich vor dich in diesen Brief verschließe,
Als Tränen dir vielleicht auf deinen Rosen stehn.
Die Erde schläft und ruht, ich aber wach' und träume,
Weil deine Liebe mich mit offnen Augen wiegt.
Ich schreib' — und weiß nicht, was. Du siehst es aus dem Reime,
Der nun aus Schweidnitz kommt und lahme Füße kriegt.
Das Joch der Einsamkeit schlägt meinen Leib darnieder,
Dem Nacht und Finsternis die müde Seele schleußt;
Die ungewohnte Streu fühlt selbst den Schmerz der Glieder,
Die ein verborgnes Weh von ihrem Lager reißt.
Der Mangel deiner Brust bestürmet mein Gemüte
Und ist ein scharfes Schwert, das durch die Seele dringt.
Gedenk' ich deiner Treu, so wallt mir das Geblüte
Wie ein zerfloss'nes Erz, das mit dem Feuer ringt.
Bald schwächt die Ungeduld die Tapferkeit der Sinnen,
Bis der verwegne Mund auf den Geburtsstern flucht;
Bald strafet die Vernunft mein törichtes Beginnen,
Bald seh' ich was von dir, das mich zu trösten sucht.
Ach, wie vergnügt mich nicht die Arbeit deiner Hände,
Die mir in dem Horaz die Verse abgezählt,
Die Sehnsucht schildert mir dein Bildnis an die Wände,
Dem zu der Ähnlichkeit nichts als das Leben fehlt. —
Dies ist der Lebenslauf, den ich anjetzo führe.
Wer mag wohl, wertes Kind, dein Zeitvertreiber sein?
Soviel ich raten kann und aus der Neigung spüre,
So stimmt vielleicht dein Mund zu meinen Klagen ein:
Mich deucht, du schickst den Fuß zur Wehmut in die Kammer,
In welcher unser Kuß oft sichre Zuflucht fand,
Mich deucht, du klagst bereits dem Fenster deinen Jammer,
Bei dem ein erstes Ja mich an dein Herze band;
Wie aber? Läßt dich auch die Tadelsucht zufrieden?
Es ahnt mir allerdings, ihr Stachel wird nicht ruhn,
Dir, da des Himmels Hand uns, ihr zur Lust, geschieden,
Durch das Verleumdungsgift der Lästrer weh zu tun.
Allein Geduld, mein Kind! befiehl nur Gott die Rache.
Tu' recht und scheue nichts. Wen das Gewissen schützt,
Der spricht der Mißgunst Hohn und hat die beste Sache,
Obgleich der Neider Schwarm auf seine Scheitel blitzt.
Ein solcher Übergang währt selten in die Länge:
Die Freundin, welche dir so manches beigebracht,
Wird mit der Zeit schon sehn — ach, daß es Gott verhänge! —
Wie endlich allzuscharf das Messer schartig macht.
Die Zeit verhindert mich, dich länger aufzuhalten.
Indessen lebe wohl, bedenke meinen Rat;
Laß die entbrannte Glut des Herzens nicht erkalten
Und liebe den, der dich um deine Liebe bat.

[Als er ihrentwegen viel leiden mußte, doch dabei nicht verzagte]

Mein Herz, verzage nicht,
Die Liebe macht's mit allen so;
Ein Herz voll treuer Pflicht
Wird ohne Gram nicht froh,
Es fällt zwar ziemlich schwer,
Eh' uns das Kummermeer
Zum sichern Friedenshafen bringt;
Man zittert, seufzt und sinkt
An Mut und Sinn
In Stürmen hin,
Der Anker reißt die Hand,
Doch wer sich zwingt und hofft, der kommt gleichwohl ans Land.

Was leid' ich nicht um dich,
Du mir ins Herz geprägtes Bild!
Die Sehnsucht jaget mich,
So wie ein schüchtern Wild;
Mein Schlaf ist nur ein Qualm,
Mein Lied ein Klagepsalm,
Die Angst der bangen Einsamkeit
Begräbt mich vor der Zeit,
Weil ich den Kuß
Entbehren muß,
Der so viel Lust verspricht;
Doch hoff' ich, alles auszustehn, verlass' nur du mich nicht!