Verlass' nur du mich nicht,
Du Engel, dessen treuer Geist
Und holdes Angesicht
Mir noch den Troststern weist;
Der Himmel wird einmal
Uns nach so vieler Qual
Der Hoffnung Siegeskranz verleihn
Und mich durch dich erfreun!
Drum liebe still,
Wie ich auch will,
Und sieh geduldig zu;
Die Straße, so uns jetzo trennt, führt unvermerkt zur Ruh.
Ich liebe meinen Schmerz,
Weil du, mein Engel, Ursach' bist,
Du hast mein ganzes Herz,
Dies raubt dir keine List.
Was hilft's uns, daß man weint?
Was jetzt unmöglich scheint,
Das ist gewiß ein Übergang,
Der Grillenfang macht krank.
Es rühret mich
Schon innerlich
Ein Trieb der Zärtlichkeit,
Die mir dein künftiger Besitz sowie dein Name beut.
[An seine Magdalis]
Aria.
Erzählt, ihr kalten Nordenwinde,
Die Seufzer meiner Schäferin,
Verkündigt dem verlass'nen Kinde,
Daß ich der alte Redlich bin,
Und macht ihr diese Botschaft kund:
Das Herze liebet wie der Mund.
Des Monden Antlitz sieht die Fluten
Der stummen Wehmut kläglich an;
Die Geister wollen mir verbluten,
Weil ich mein Kind nicht sprechen kann.
Ich denke der vergangnen Zeit,
Von der mich die Verschwendung reut.
Der Elbstrom fällt mir in die Augen,
Sein Eis erhitzet meinen Geist;
Ach, könnt' ich jetzt die Küsse saugen,
Die mich zuvor vollauf gespeist,
Ich wollte meinen Fuß bemühn
Und gar von hier nach Breslau ziehn.
Geliebtes Schweidnitz, das Vergnügen,
So mich bei dir im Schoße trug,
Wird nicht so bald mein Herz besiegen,
Das von der Wollust heftig schlug,
Wenn die getreue Magdalis
Mich brünstig in die Armen riß.
Die Zeiten sind bereits gestorben:
Drum fluch' ich der Vergänglichkeit,
Die mir und ihr den Schmerz erworben,
Den unser Abschied prophezeit,
Da mich das werte Sachsenland
Von meiner Schäferin getrannt.
Getrannt, doch nur auf kurze Jahre!
Verliebte Sehnsucht, fasse dich:
Der Kummer findet seine Bahre,
In dieser Hoffnung tröst' ich mich
Und lege mir den Wahlspruch bei:
Bedrängt, geduldig und getreu.