[An seine Leonore]
Schicke dich, geliebtes Kind,
In die unruhvollen Zeiten;
Dann und wann kann Sturm und Wind
Unverhofft in Hafen leiten.
Nun ist wohl niemand besser dran,
Als wer getreu und klug und ewig lieben kann.
[Als er seiner Magdalis nichts zum grünen Donnerstag geben konnte]
Getreue Magdalis! Du forderst zwar den Zoll,
Der jährlich wiederkommt, zum grünen Donnerstage;
Doch meine Hand weiß nicht, was sie dir geben soll,
Weil ich in selber nichts als Luft und Mangel trage.
Kein guter Marzipan, kein Mantel von Damast
Läßt meiner Armut zu, dich reichlich zu bedenken,
Und weil du gestern schon mein Herz gestohlen hast,
So steht es nicht bei mir, es heute dir zu schenken;
Doch alles möchte sein, wenn mich die Poesie
Des Kummers, deinen Wunsch zu stillen, überhübe.
Allein, sie wegert sich. Drum nimm, wo nicht zu früh,
Hier die Beständigkeit von meiner reinen Liebe.
[An Leonoren]
Zwischen Ufer, Tal und Klüften
Ließ der treue Saladin
Mit den kühlen Abendlüften
Tausend heiße Seufzer fliehn,
Weil kein längst gehoffter Brief
Seinem Wunsch entgegenlief.
Die Gewalt verliebter Schmerzen
Warf ihn kraftlos in das Gras,
Wo er mit bedrängtem Herzen
Und gestütztem Arme saß;
Endlich wollte seiner Pein
Brust und Herz zu enge sein.
Zeuch nur (sang er), schöne Gegend,
Deiner Triften Reizung ein!
Jetzo bist du nicht vermögend,
Mein Gemüte zu erfreun,
Dessen Schwermut diesen Fluß
Mit den Tränen stärken muß.
Mit den Tränen, die mein Leiden
Billig Scheidewasser nennt,
Weil es nach dem schweren Scheiden
Augen, Haut und Seele brennt
Und die Lippen schmerzlich frißt,
Die der Abschied roh geküßt.
Leonore, laß dich finden!
Irr' ich, oder rufst du nach?
Sagt, ihr schattenreichen Linden,
Sage, du verschwiegner Bach,
Ob nicht die, so mich regiert,
Dann und wann hierum spaziert.