Fand mein Schicksal andre Gleise?

Welche Wandlung ist gescheh’n?

Sieh’, der Freund entführte leise

Hin mich, wo die Palmen weh’n.

VII.

Wie sich Licht und Schatten wende

Wechselnd in der Völker Loos,

Knechtschaft zieht die Freiheit groß,

Unrecht schlägt die eignen Hände.

Als Hold in seine Wohnung zurückkehrte, fand er Mander und Oswald dort vor. Sie waren gekommen, teils um zu danken für die bewiesene Fürsorge, teils um zu sehen, ob für ihren Aufenthalt auf der Hallig die Annehmlichkeit eines gebildeten Umgangs wenigstens in einer Familie ihnen nicht ganz fehlen würde. Ihre Erwartungen waren freilich geringe, und das Aeußere und Innere einer Wohnung, gegen welche das Haus des Gärtners auf ihrem ländlichen Ruhesitze bei Hamburg ein Palast war, diente nicht dazu, ihre Erwartungen höher zu spannen. Einfachheit und Beschränktheit schienen hier die genügsamen Schaffnerinnen gewesen zu sein. Reinlichkeit mußte den Glanz, Nettigkeit die Schönheit, gefällige Anordnung die Fülle ersetzen; und der Anzug der Pastorin wie ihrer Kleinen trug die Spuren der wirtschaftlichen Nadel, die den abgetragenen Stoff so lange als möglich benutzen lehrt und ihm immer neue, wenn auch kleidsame, doch wenig modische Formen verleiht. Uebrigens blühten Mutter und Tochter in der Fülle der Gesundheit: und der Eindruck, den das herzliche Willkommen der Pastorin auf die Fremden machte, wurde nicht allein durch die angenehmen Züge ihres Gesichtes und ihre gefällige Gestalt, sondern auch durch ihr ungezwungenes, einen frühereren Umgang in höheren Kreisen verratendes Wesen erhöht. Oswald ward dadurch ganz irre gemacht, da er nicht wenig darauf gerechnet hatte, durch gewandte Verdeckung der gewiß erwarteten Verstöße und durch freundliche Herablassung zu den beschränkten Vorstellungen und trivialen Lieblingsgesprächen einer Familie, deren Gesichtskreis, wie er voraussetzte, sehr eng sei, hier großes Lob zu ernten, nun aber bald merkte, daß es für ihn nur darauf ankomme, mit gleicher Leichtigkeit den rechten Umgangston für eine unter solchen eigentümlichen Umständen gemachte Bekanntschaft zu treffen. Auch Mander, der feingebildete Weltmann, der ein solches Benehmen zu beurteilen und zu schätzen wußte, fand sich davon nicht wenig überrascht bei der ebenfalls von ihm vorgefaßten Aussicht, auf unbeholfene Verlegenheit oder überlästige Höflichkeit zu stoßen. Nach den ersten Begrüßungen suchte er daher mit geschickter Wendung eine Gelegenheit zu der Frage an die Pastorin, ob sie sich in dieser ihrer Lage wohl glücklich fühlen könne?