Idalia konnte nur zum Teil erraten, was den Jüngling so tief erschüttert hatte; auch war sie oft geneigt, Alles für Phantasiespiele des Fiebers zu halten, die keinen Grund in seinen wirklichen Gefühlen hätten; doch freute sie sich innig, als in den nächsten Tagen diese Phantasien mit den Fieberanfällen wiederkehrten und Godber’s volle Zärtlichkeit für sie sich auf das deutlichste aussprach, weicher, hingebender als je zuvor. Seine körperliche Schwäche milderte den Kampf in seinem Innern. Idalia’s treue Pflege rührte ihn tiefer, mit seinem Wesen übereinstimmender als alle früheren Zeugnisse ihrer Liebe, wenn diese ihn auch leidenschaftlicher entzückt hatten. Er gab sich gleichsam seinem Loose hin, ohne weiter durch die Erinnerung an das Vorhergegangene zu widerstreben. Nur an ihr haftete sein matter Blick; nur wenn sie neben ihm saß, war er zufrieden; nur ihr Lächeln erheiterte auch sein bleiches Gesicht. Wie ein Kind der Mutter folgte sein Auge allen ihren Bewegungen; und mehr stumm, als wortreich, malte sich doch gerade in seinem Schweigen die tiefste, vollste Liebe. Gleich wie die Abendröte nach einem stürmischen Tage der wieder Lebensodem schöpfenden Natur die lieblichste Färbung leiht, so war über Godber’s Wesen nun eine ganz eigene Milde, Zartheit und Hingebung verbreitet. Diese Wendung seiner früher mehr heftig bewegten Gefühle ging zum Teil aus wirklich jetzt innigerer Liebe zu Idalia, zum Teil aber auch aus der ihm freilich nicht klar bewußten Notwendigkeit hervor, sein Dasein nun ganz mit dem ihren zu verweben, um den Frieden seines Lebens wieder zu gewinnen.

Auf Idalia’s Herz blieb diese Innigkeit Godber’s nicht ohne bedeutenden Einfluß; es hatte der wahren Liebe nie so nahe gestanden, als jetzt. Diese ungewohnte, nie geahnte und ihrem Charakter fremde Weichheit, die völlige Verschmelzung aller Gedanken und Gefühle mit dem geliebten Wesen zog sie unwiderstehlich an, und sie fühlte in einzelnen Stunden Aehnliches. In einer solchen Stunde sang sie unter Begleitung der Laute, die sie mit hoher Kunstfertigkeit spielte, und deren Erhaltung im Schiffbruch sie der Sorgfalt verdankte, mit welcher sie dieselbe, als ein Mittel, mit ihrem Talent zu prunken, nach jedem Gebrauch wieder verschloß, das folgende Lied, welches sie auf Godber’s Bitte ihm nun täglich wenigstens einmal vorsingen mußte:

Was ich einst gewesen,

Weiß ich’s denn noch mehr?

Kann ich Kunde geben,

Wie ich anders wär?

War mir Lebenswiege

Nicht Dein erster Gruß?

Wie mir Todessiegel