„Eine sichere Begründung,“ warf Mander ein, „kann dem Glauben nicht schaden, ja ihn allein der Vernunft annehmbar machen, daß sie mitstimme mit dem Herzen, das seiner bedarf.“
„‚Der Glaube ist eine gewisse Zuversicht des, was man hoffet, und nicht zweifelt an dem, was man nicht siehet‘, sagt schon der Apostel,“ war Hold’s Antwort. „Unter diesem ‚was man nicht siehet‘ ist doch auch wohl das Nichtsehen der Vernunft durch Begriffe und Schlüsse mitverstanden; denn was sie so sich zusammenkettet, Glied an Glied, das sieht sie, das hört auf Gegenstand der Hoffnung und des Glaubens zu sein; es wird Gegenstand des Wissens und bleibt Stückwerk, wie all’ unser Wissen Stückwerk ist. Der Glaube aber ist ein Ganzes, Volles, Vollkommenes, ein Tag ohne Wolken, ein Kleinod, des wir uns freuen ohne Diebe und Räuber zu fürchten. Er ist kein Raub, sondern eine Gabe. Wir schaffen ihn nicht, sondern er schafft uns. Er ist nicht unser, sondern wir sind sein. Wir kommen nicht zu ihm dadurch, daß wir ihn in unser Gebiet hereinziehen, sondern dadurch, daß wir aus unserm Gebiet heraustreten und in sein Gebiet eingehen. Darum bauen Sie vergeblich an einem Fachwerk; es bleibt ein Gerüst, durch dessen Sparren jeglicher Wind weht, und worin der Geist Gottes nie heimatlich wird.“
„Thun denn aber die gelehrten Theologen etwas Anderes, als was ich versuche?“
„Leider thun sie oft nichts Anderes. Aber da geht es denn auch Vielen ihrer Zuhörer, wie es mir ging,“ erwiderte Hold, und nahm vom Bücherbord ein Heft aus seiner Studentenzeit, auf dessen letzter Seite sich folgender „Epilog zur Dogmatik“ fand:
So hat denn alle Wissenschaft gelogen!
Vom blinden Wahne sollt’ der Geist gesunden;
Und nun ist jeder lichte Blick verschwunden,
Und um den Frieden ist das Herz betrogen.
Ich seh’ mich auf ein Meer hinausgezogen,
Wo keine Nadel mag den Pfad erkunden,