Jetzt machte das Schiff eine neue Wendung, die es glücklich durch zwei einander beinahe berührende Untiefen hindurchbrachte, und trat aus dem schäumenden Schwall der brandenden Wogen eben siegesfroh in die dunklere Flut hinein.

„Steuer in Lee!“ kreischte die Mutter, als könnte sie mit ihrem im Sturm verhallenden Kommando das Schiff regieren; aber links drehte es sich und jeden Augenblick erwarteten die ängstlichen Zuschauer, daß es nun an die ihnen bekannte gefahrvolle Stelle kommen würde, wo es bei der geringsten Abweichung zur Linken oder zur Rechten auf den dort zu beiden Seiten der Tiefe mehr als anderswo erhöhten, jetzt freilich auch von der Flut überdeckten Grund stoßen mußte. Doch plötzlich fielen alle schon lange gerefften Segel gänzlich von den Masten ab, daß diese mit ihren nackten Spieren verdorrten Fichten glichen, durch die die Wucht des Sturmes unschädlich hinstreift, und das schwankende Schiff bewegte sich langsam in einem Halbkreis herum, so daß das Boogspriet nun gegen den Wind stand, nachdem es so lange die Richtung mit dem Winde angedeutet.

„Sie haben Anker geworfen;“ rief Maria erfreut, und die alte kundige Witwe bemerkte:

„Wenn sie, wie ich glaube, nach Husum wollen, so können sie nun wieder mit der eintretenden Ebbe in den rechten Kurs kommen, von dem sie vor dem Sturm zu weit nach Norden abgetrieben sind.“

Von ihrer Furcht für die Seefahrer befreit, gingen die Beiden in ihre Wohnung. So lange die Tageshelle es erlaubte, warf Maria noch manchen Blick aus dem Hinterstübchen zu dem Schiffe hinüber, das bei nun eingetretener Ebbe ruhig auf seinem Platze liegen blieb, ohne daß man vom Lande aus irgend eine Bewegung auf demselben bemerken konnte. Als die Abenddämmerung die Aussicht hinderte, spann sie wieder ungestörter an der Seite ihrer Mutter fort, wobei zwischen den Beiden Manches über die Aussteuer und künftige Einrichtung verhandelt wurde. Denn auch die Mutter war durch Maria’s Zuversicht allmählig mit dem Gedanken vertraut geworden, daß Godber auf dem Schiffe sei. Mit freundlichen Hoffnungen gingen sie dann, später als sonst, zur Ruhe; jedoch nicht eher, als bis sie andächtig mit einander mit folgendem kurzen, kunstlosen Versgebet sich dem Schutze des Höchsten empfohlen:

In Sturm und Wellenbraus

Behüte Gott, mein Leben

Und um mein schwaches Haus

Laß Deine Engel schweben,

Daß sich die wilden Wogen scheu’n