Aus der Zusammenstellung der wenigen bis jetzt vorhandenen Beobachtungen über den bei der Geburt erzeugten Aetherrausch, ergiebt sich mit Ausnahme der Todesfälle bei Dubois, daß das neue Mittel den natürlichen Verlauf des Wochenbettes nicht stört. Es wurden danach weder starke Blutflüsse noch Nervenzufälle beobachtet. Auch die Gebärmutter kehrte in der gewöhnlichen Zeit zu ihrem natürlichen Zustande zurück. Welchen Einfluß die Aetherisation auf die Milch in den ersten Tagen geäußert habe, findet man nicht erwähnt. Auf die Neugebornen äußerte sich die Aetherisation der Mutter durch Beschleunigungen des Pulsschlages, welcher wohl bis auf 30 Schläge in der Minute vermehrt war, mithin einen Unterschied von 160 gegen 125 in der Minute zeigte. Andere Abweichungen von dem natürlichen Vorfalle wurden bei den Kindern nicht beobachtet.
Ich will nicht entscheiden, ob der Aether in der Geburtshülfe so allgemein werden wird wie in der Chirurgie, doch glaube ich es nicht, weil eine Niederkunft etwas Natürliches, eine chirurgische Operation etwas gegen den ursprünglichen Sinn der Natur ist. So viel scheint aber wahrscheinlich, daß man bisweilen sehr schwere, schmerzhafte Geburten, wo sonst die Zange nöthig ist, entweder ohne oder mit dieser mit Erleichterung machen wird.
Ich kann nicht in die Streitigkeiten eingehen, welche in politischen Blättern zwischen tüchtigen Aerzten über die Anwendbarkeit und Nichtanwendbarkeit des Aethers in der Geburtshülfe geführt worden sind. Verschiedenheit der Ansichten und Meinungen über wissenschaftliche Gegenstände sollten bei Männern, welche einen gleichen edlen Zweck verfolgen, nie zu persönlichen Fehden werden, und dann am wenigsten, wenn sie zur Kurzweil der Nichtärzte dienen.
Anwendung der Aetherdämpfe in der inneren Heilkunde.
Bei inneren Krankheiten hat die Anwendung der Aetherdämpfe bis jetzt nur noch eine sehr beschränkte Anwendung gefunden und meistens nur bei nervösen Leiden eine palliative Hülfe gewährt. Beim Emphysem der Lunge sah Wolf bei einem jungen Manne in seiner Klinik große Erleichterung danach eintreten. Die Einathmung der Aetherdämpfe zeigte sich auch bisweilen bei hysterischen Anfällen äußerst wirksam, indem sie dieselben oft augenblicklich hoben. In anderen dagegen wurden dadurch heftige Zufälle hervorgerufen und das Uebel eher verschlimmert als verbessert. So sah Piorry zuerst zwar Verbesserung der hysterischen Paroxysmen bald aber Rückfälle. In Wien beobachtete man dagegen äußerst günstige Wirkung in der Hysterie, allemal wurden dadurch die Anfälle gemildert. In neuralgischen Leiden wurde dadurch bisweilen große Linderung verschafft. Strempel beobachtete beim tic douloureux und bei Koliken äußerst günstige Wirkungen davon. Beobachtungen der letzten Art machte man auch in Wien. – In der Bleikolik versuchte Bouvier den Aetherdunst in verschiedenen Zwischenräumen, und versicherte, dadurch die Krankheit in wenigen Tagen vollständig gehoben zu haben. Honoré ebenfalls beim Gesichtsschmerz, Nasse bei manchen anderen Schmerzen. Nach Bonnet wurden bei Epileptischen die Anfälle durch die Aetherisation wenigstens gemildert. In Wien zeigte das Mittel bei Epileptischen eine verschiedene Wirkung. Bei einem Kranken wurden die Anfälle danach häufiger, bei einem zweiten seltener, und bei einem dritten traten keine auffallende Veränderungen ein. Auf Wahnsinnige äußerte der Aether anfangs nur die gewöhnlichen, allgemeinen Wirkungen, auf das Leiden selbst aber gar keine, eher indessen eine Verschlimmerung als Verbesserung. (Kronser.) Bei einer tobsüchtigen Selbstmörderin brachte Manec Betäubung unter den bei Gesunden gewöhnlichen Erscheinungen hervor, so daß er ein Haarseil ohne Schmerzen legen konnte. Nachdem die Person wieder zu sich gekommen war, bat sie um Gift.
Bei einer delirirenden Wöchnerin, versichert Bouvier, die Aetherdämpfe zwar ohne Erfolg, aber auch ohne Nachtheil angewendet zu haben. Unter diesen Umständen ist das Mittel gewiß eben so gefährlich als die Krankheit.
Gegen den Starrkrampf versuchte Ranking die Aetherisirung, die Krämpfe wurden dadurch aber auf eine Schrecken erregende Weise heftiger, so daß er von ferneren Versuchen, dies Mittel bei krankhaftem Zustande anzuwenden, abräth. Nicht minder glücklich war Roux mit den Aetherdämpfen beim Starrkrampf, und nach seinem eigenen Geständniß wurde die ohnedies kurze Lebensdauer des Patienten noch um etwas verkürzt.
Was also der Aetherdunst in der inneren Heilkunde noch leisten wird, steht von der Zukunft zu erwarten, bis jetzt hat er dem Aether, in Substanz durch den Mund genommen, nicht um seinen alten Ruhm gebracht.
Anwendung der Aetherdämpfe in der gerichtlichen Medizin.
Baudens, oberer französischer Militärarzt, empfiehlt die Aetherbetäubung bei dem Verdachte von Verstellungskrankheiten, um hinter die Wahrheit zu kommen. Hat Hr. Baudens, welchen ich sonst hochschätze, solche Listen bei den Arabern, unter denen er so viele Jahre mit der französischen Armee lebte, gelernt? Will er uns ein neues, perfides Mittel zur Enthüllung der Wahrheit lehren? Dies Mittel ist aber treuloser als die Unwahrheit. Genug Baudens wandte sein Mittel bei zwei armen jungen Conscribirten an, welche wahrscheinlich nicht große Lust hatten, in Algerien auf den Schakalfang zu gehen und lieber den heimathlichen Boden pflügen wollten. Der erste stellte sich der Untersuchungskommission mit einem großen Buckel vor. Man schöpfte Verdacht, daß er simulire, um vom Militärdienste frei zu kommen. Baudens betäubte ihn jetzt durch Aetherdämpfe vollständig. Danach trat Erschlaffung des ganzen Körpers ein, und mit ihr verschwand der Buckel! Der Mensch wurde also auf diese Weise überführt und gestand die Simulation ein. Bei dem zweiten Conscribirten glaubte Baudens auch, daß er simulire und zwar eine Verwachsung des Hüftgelenkes. Er ätherisirte ihn ebenfalls, worauf der Zustand einer vollkommenen Empfindungs- und Bewußtlosigkeit mit Erschlaffung aller Muskeln eintrat. Aber die Gelenksteifigkeit mit allen ihren charakteristischen Merkmalen blieb vollkommen die nämliche wie vor der Betäubung. Er war also sicher, daß der Kranke nicht simulire.