Diese erfreuliche Erscheinung belebte den Muth der durch langes Leiden tief erschütterten Kranken und ließ sie hoffnungsvoll auf die vorzunehmende Operation hinblicken. Der verhängnißvolle Tag brach an. Geh. Rath Busch, der Arzt der Kranken, und mehrere junge Aerzte waren bei der Operation zugegen. Diesmal gelang das Aetherisiren nicht so gut wie vorher, und es dauerte zehn volle Minuten, während welcher Zeit sich die Kranke mehrmals erbrach, bis Empfindungslosigkeit eintrat. Der Puls hatte 18 Schläge in ¼ Minute. Anfangs war die Kranke sehr aufgeregt, und mehrere Ausbrüche heftiger Leidenschaftlichkeit mit schnellem, gereiztem Pulse, wildem Blicke, Zurückstoßen der helfenden Hände der Aerzte veranlaßten uns, den Sturm erst vorübergehen zu lassen. Mit dem Eintritt einiger Ruhe, bei 15 Pulsschlägen in ¼ Minute, begann ich die Operation, welche in einigen Augenblicken vollendet war; dabei erfolgte öfteres starkes Aufstoßen und Erbrechen wie in der Trunkenheit, worauf nach Bedecken der Wunde die Kranke in ihr Bett gebracht wurde. Wo bin ich? sagte sie dann mit Heftigkeit, indem sie die Augen wieder öffnete, was soll mit mir geschehen? Wir beruhigten sie, daß Alles vorüber sei. Sie wollte dies aber durchaus nicht glauben und widersprach lebhaft. Erst die Untersuchung mit der eigenen Hand überzeugte sie, daß sie wirklich die Operation überstanden, und ohne das Mindeste davon gefühlt zu haben.
Bei einer Dame von einigen 40 Jahren hatte sich seit geraumer Zeit zwischen der linken Brust und der Achselhöhle eine steinharte, mit dem Rande des Brustmuskels und den Rippen fest verwachsene Drüsengeschwulst von verdächtigem Charakter gebildet, so daß die Exstirpation nöthig wurde. Die Kranke athmete die Aetherdämpfe ¼ Stunde lang, und erst dann trat Empfindungslosigkeit von einem schlafähnlichen Zustande begleitet, ein. Zwei lange Ovalschnitte, welche die mit der Geschwulst verwachsene Haut umfaßten, wurden gemacht, die Geschwulst mit der Muzeux'schen Zange hervorgezogen und dann aus dem Grunde ausgeschält. Dies war das Werk einiger Augenblicke, worauf die spritzenden Arterien unterbunden, und die Wunde mit Pflasterstreifen genau vereinigt wurde.
Bei dieser Kranken ist zu bemerken, daß vom ersten Augenblicke des Einathmens der Dämpfe das Gesicht sich stark röthete, daß die Empfindungs- und Bewußtlosigkeit sehr spät eintrat, daß schon vorher Uebelkeit und Erbrechen sich einstellte und sich auch nach der Operation wiederholte, und daß die Kranke hinterher angab, von der Operation durchaus nichts empfunden und durchaus nicht geträumt, sondern ruhig geschlafen zu haben. Hr. Reg.-Arzt Branco hatte die Güte, mich bei dieser Operation zu unterstützen.
Mad. K., 44 Jahr alt, eine geistvolle, zarte Dame, mit einer großen, fest aufsitzenden skirrhösen Entartung der ganzen linken Brustdrüse, welche soeben aufzubrechen drohte, entschloß sich nach Jahre langem vergeblichem Gebrauch der bewährtesten Mittel, besonders durch die folterähnlichen Schmerzen getrieben, zur Abnahme der Brust. Nach 6-8 Minuten der Einathmung der Aetherdämpfe machte ich die Operation. Zwei elliptische, von der Achselhöhle schräg abwärts nach dem Brustbein zu verlaufende Schnitte umfaßten die kranke Haut und die vergrößerte Drüse. Letztere wurde dann an ihren Rändern und an ihrem Grunde, welcher sehr fest mit dem Brustmuskel zusammenhing, abgetrennt. Während der ganzen Operation gab die Kranke, welche vollkommen bewußtlos war, keinen Laut von sich. Nach Beendigung derselben stellte sich Erbrechen ein, welches sich auch später wiederholte. Nachdem die Patientin wieder zu sich gekommen war, versicherte sie, keine Spur von Schmerz empfunden zu haben und nicht zu wissen, daß sie operirt worden sei.
Zu den gräßlichsten Operationen gehört die Abnahme der Brust, wenn diese durch Markschwamm einen sehr großen Umfang erreicht hat. Frau N., einige 40 Jahre alt, kam mit einer fast menschenkopfgroßen Anschwellung der linken Brustdrüse in die Klinik. Die Unglückliche war schon früher anderweitig an einer faustgroßen Krebsgeschwulst oberhalb der Brustdrüse operirt worden, worauf die Drüse selbst anfing sich zu vergrößern und den erwähnten Umfang zu erreichen. Vergeblich waren die verschiedensten Mittel angewendet worden, doch blieb jetzt nichts anderes übrig, als die Operation zu unternehmen, nach welcher die Arme schon der unerträglichen Schmerzen wegen sich wie nach einer Erquickung sehnte. Der Größe der Operation wegen ließ ich die Kranke zuvor durch Aether tief betäuben, wozu 10 Minuten erforderlich waren. Da die Haut auf der Drüse gesund war, so konnte ich davon so viel sparen, als zur vollständigen Deckung der Wunde nöthig schien. Zwei halbmondförmige Schnitte, in deren Mitte die Warze lag, wurden quer über die Brust durch die Haut geführt, diese abgelöst, die ungeheure Geschwulst von ihrem Boden abgetrennt, und zuletzt noch eine Achseldrüse von der Größe einer mäßigen Pflaume von der nämlichen Wunde aus exstirpirt. Die Blutung aus unzähligen erweiterten Gefäßen war so stark, daß Alles im Blute schwamm, und wenigstens 3 Pfund desselben verloren gingen; doch wurde sie schnell durch Unterbindung, durch Kälte und Druckverband gestillt, und später, als eine Nachblutung weniger zu besorgen war, die Wundränder vereinigt. Von der Operation hatte die Kranke gar nichts empfunden, doch war ich froh, als ich sie erst wieder im Bette sah, da die Betäubung tief, und der Blutverlust so bedeutend war. Wahrscheinlich war aber die Stärke der Blutung bei diesem hohen Grade der Betäubung nützlich. Nach 3 Wochen war die Wunde geheilt.
Wittwe St., 68 Jahr alt, litt an einer faustgrossen Krebsgeschwulst der linken Brust, welche die ganze Drüse einnahm, steinhart war, fest aufsaß und nach vorn gegen das Brustbein zu bereits eine aufgebrochene Stelle zeigte. Unerträgliche Schmerzen nöthigten die arme Frau zu der Operation. Nachdem sie nur zwei Minuten ätherisirt worden war, schien sie vollkommen betäubt zu sein. Ich führte zwei halbovale Schnitte durch die Haut, welche am Brustbein und gegen die Achselhöhle zu in spitzen Winkeln zusammentrafen, und löste dann die Brustdrüse von den Rippen ab. Die Blutung war sehr stark, und die durchschnittenen Arterien spritzten an vielen Orten. Gesunde Haut war bei der Operation zur Deckung der Wunde im Ueberfluß erspart worden. Als die Kranke, welche bei der ganzen Operation weder gezuckt noch einen Laut von sich gegeben hatte, wieder zu sich kam, sah sie die Umstehenden erstaunt an und konnte nicht begreifen, daß sie schon operirt sei, denn sie hatte das ganze blutige Ereigniß angenehm verträumt.