Marie G., 8 Monate alt, war mit einem kleinen Blutschwamm an der inneren Seite der rechten Schamlefze geboren, welcher allmälig zwei Drittheile ihrer Oberfläche in eine vorragende, dunkelrothe Geschwulst mit sammtartigem Ueberzuge verwandelt hatte. Die Operation durfte nicht länger aufgeschoben werden, da gefährliche Blutungen zu fürchten waren. Das Kind, welches auf dem Schooße der Wärterin gehalten wurde, athmete mittelst eines Schwamms 3 Minuten lang Aetherdämpfe ein, worauf es mit Schreien plötzlich nachließ und aussah, als wolle es einschlafen. Ich faßte nun den Blutschwamm mit einer kleinen Balkenzange, schnitt ihn mittelst eines kleinen, strohhalmbreiten Messers durch zwei elliptische Incisionen aus, und vereinigte dann die Wundränder durch fünf Knopfnähte, wodurch gleichzeitig die starke Blutung gestillt wurde. Die Operation schien ohne allen Schmerz gewesen zu sein. Das Kind kam nach Besprengen des Gesichts mit kaltem Wasser sogleich wieder zu sich.
Marie P., 10 Monate alt, war mit einem kleinen Blutschwamm des Kopfes auf der Mitte des linken Scheitelbeins geboren. Man hatte dagegen vergebens allerlei zusammenziehende Mittel angewendet, doch der Blutschwamm, statt sich zu verkleinern oder gar zu verschwinden, war immer größer geworden und hatte zuletzt den Umfang eines kleinen Thalers und eine Höhe von 2 Linien erreicht. Das Kind, welches stark war, unbändig schrie und kaum gehalten werden konnte, wurde, nachdem es 1 Minute lang Aetherdämpfe geathmet hatte, schlaff und müde. Ich führte zwei convergirende Messerschnitte bis auf die Beinhaut durch die Geschwulst und ließ von ihrem Rande so viel stehen, daß die Vereinigung der Wunde möglich war. Das aus vielen durchschnittenen erweiterten Gefäßen hervorstürzende Blut wurde schnell durch 6 lange, starke, mit Fäden umschlungene Insectennadeln gestillt, deren Druck auf die Ränder die Verdichtung des ausgedehnten Gewebes herbeiführen sollte. Nachdem die Nadeln dicht an den Fäden abgeschnitten waren, wurde eine kalte Compresse aufgelegt. Unter der Operation drückte das Kind nur durch dumpfes Stöhnen einen unbehaglichen Zustand aus; nach derselben kam es auf Besprengen mit kaltem Wasser sogleich wieder zu sich.
Pauline Z., 1 Jahr alt, hatte einen erhabenen Blutschwamm von der Größe und der Gestalt einer kleinen Bohne am oberen Theil der linken Wange. Nachdem das stark schreiende Kind 1 Minute lang ätherisirt worden war, wurde es plötzlich still und matt. Ich schnitt darauf die Geschwulst durch zwei halbelliptische Schnitte aus und vereinigte die Wunde durch drei umschlungene Nähte. Dann erst erwachte das Kind wieder.
M. A., 7 Monat alt, mit einem feuerrothen, stark erhabenen Blutschwamm von der Größe eines Silbersechsers an der linken Seite der Stirne wurde 4 Minuten lang ätherisirt. Das heftige Schreien wurde dann matter, ich schnitt den Schwamm, ohne daß das Kind Schmerzen verrieth, heraus und vereinigte die Wunde durch drei umschlungene Insectennadeln. Gleich darauf war es wieder ganz munter.
Friederike M., 4 Monat alt, war mit einem Blutschwamm der rechten Seite der Oberlippe geboren, welcher sich bis zu dem Umfange einer mäßigen Himbeere vergrößerte, die ganze Dicke der Lippe einnahm und sich bis an das rechte Nasenloch erstreckte. Das stark schreiende und sich wehrende Kind wurde erst nach 3 Minuten der Einathmung vollkommen ruhig und schloss die Augen halb. Mit Leichtigkeit konnte ich einen Keil, welcher den Blutschwamm in sich faßte, ausschneiden und durch vier umschlungene Insectennadeln nicht nur die Wundränder genau vereinigen, sondern auch zugleich die sehr starke Blutung stillen. Das Kind kam nach der Operation sogleich wieder zu sich.