Der 4 Monat alte Schiffersohn, August P., war mit großen Blutschwämmen des Gesichts und einem an der Brust geboren, welcher fast den Umfang einer flachen Hand erreicht hatte. Zuerst wollte ich die Operation eines sehr erhabenen, von der Größe eines Thalerstücks, an der rechten Seite der Stirne vornehmen; das Kind wurde, nachdem es 2 Minuten lang Aetherdämpfe geathmet hatte, vollkommen ruhig, worauf ich zwei Drittheile der Geschwulst durch zwei elliptische Schnitte entfernte und darauf sechs umschlungene Nähte, wodurch sogleich die sehr heftige Blutung gestillt wurde, anlegte. Die Operation schien nicht empfunden zu werden. Besprengung mit kaltem Wasser hob die Betäubung sogleich.
Marie H., 3 Monat alt, war mit einem Blutschwamm an der rechten Seite der Stirne geboren. Derselbe bildete einen feuerrothen, von oben nach unten zu verlaufenden, 1½ Zoll langen und ⅓ Zoll breiten, mäßig erhabenen Bergrücken. Das Kind schrie auf dem Schooße der Wärterin fürchterlich, und selbst nach einer 4 Minuten langen Aetherisation dauerte das Schreien, aber mit verändertem Tone fort, obgleich es unempfindlich war. Ich schnitt dann den Blutschwamm vollständig aus und vereinigte die Wundränder durch sechs feine umschlungene Insectennadeln. Dann war das Kind wieder bei Bewußtsein und hörte auf zu schreien.
Ein bösartiger Zellenblutschwamm hatte sich bei einem jungen, blühenden, 26jährigen Manne seit frühester Kindheit im unteren Drittheil des Rückens an der linken Seite der Wirbelbeine ausgebildet und endlich die Größe eines flachen Hühner-Eies erreicht. Die darüber liegende Haut war von weißbläulicher Farbe, und die Geschwulst prall und fest. Erst bei einem längeren und stärkeren Druck verkleinerte sie sich allmälig und verschwand zuletzt vollkommen; hob man dann die Compression auf, so trat die Anschwellung von neuem wie früher hervor. Ich vermuthete, daß das Uebel der so selten vorkommende Zellenblutschwamm sei und rieth dem Kranken zur Operation. Unmittelbar vor derselben ließ ich ihn Aetherdämpfe einathmen, welche ihn schon binnen zwei Minuten völlig betäubten. Der Kranke wurde auf den Bauch gelagert, und der Rücken durch unter den Leib gelegte Polster herausgewölbt, theils um die Haut zu spannen, theils um die Geschwulst stärker prominirend zu machen. Ich führte nun einen fingerlangen Schnitt über die Geschwulst fort, welche darauf in der Größe und Gestalt eines Hühner-Eies von blaurother Farbe sichtbar wurde. Ich zog sie dann mit einem Doppelhaken hervor und durchschnitt die Muskelmasse des Rückens, aus welcher sie hervorgewuchert war, dicht über und dicht unter ihr, wobei ich eine lebhafte Retraction der Muskelfasern wahrnahm, und trennte zuletzt ihre Verbindungen an der unteren Fläche. Die beträchtliche Blutung wurde dann gestillt, und über den Verband kalte Umschläge gelegt. Während der gegen mehrere Minuten dauernden Operation gab der Kranke auch nicht das leiseste Zeichen von Empfindung und war erst, nachdem er auf sein Lager gebracht war, zu überzeugen, daß er Alles glücklich überstanden habe.
Operation einer Pulsadergeschwulst.
Ein 28jähriger Landmann litt seit einem Jahre an einer Pulsadergeschwulst in der Tiefe der Gesäßmuskeln an der rechten Seite. Die Veranlassung dazu war eben so merkwürdig als die Krankheit selbst. In einem Faustkampfe mit einem anderen Manne seiner Gemeinde warf jener den letzteren zu Boden. Während er über ihm lag und ihn seine Uebermacht fühlen ließ, sprang der 6jährige Knabe des Ueberwundenen herbei und stach den Ueberwinder seines Vaters mit einem Messer tief in das Gesäß. Die Wunde wurde von einem tüchtigen Arzt ganz zweckmäßig behandelt und heilte bald. Einige Zeit darauf bemerkte man indessen in der Tiefe eine umschriebene, pulsirende Geschwulst, welche, als ich den Kranken sah, bis zu dem Umfange eines kleinen Gänse-Eies sich vergrößert hatte. Sie steckte tief zwischen den Muskeln und fühlte sich hart an, pulsirte aber nicht deutlich. Es war keinem Zweifel unterworfen, daß durch jenen Messerstich eine tiefliegende Arterie verletzt, und dadurch eine falsche Pulsadergeschwulst gebildet war, welche bei ihrem Sitze, ihrer Größe und ihrer langen Dauer nur durch die Operation geheilt werden konnte. Vorher ließ ich den Kranken Aetherdämpfe einziehen. Nachdem dies fünf Minuten lang geschehen war, wurde der Puls langsamer, und es trat Empfindungslosigkeit, von einem bewußtlosen Zustande begleitet, ein. Bei den ersten Einschnitten seufzte der Kranke tief, dann stieß er einige unartikulirte Töne aus und bewegte sich, als wolle er sich der fremden Gewalt entziehen. Ich umschnitt den harten Sack der Pulsadergeschwulst bis zu ihrem Grunde, spaltete ihn dann, um das dicke Blutgerinnsel herauszunehmen und mehr Platz zur Aufsuchung der angeschnittenen Arterie zu gewinnen. Nachdem dies geschehen war, umstach ich die einmündende, spritzende Arterie mit einer krummen Nadel, knüpfte die Fadenenden fest zusammen, schnitt darüber den Sack ab und verband die Wunde. Gegen das Ende der Operation kam der Kranke etwas wieder zu sich. Er verhielt sich wie ein Schlaftrunkener und versicherte, daß er bei der Operation keine sehr heftigen Schmerzen ausgestanden habe.
Operationen des Kropfes.
Ein Mädchen in den Dreißiger-Jahren, welches an einer schwammigen Kropfgeschwulst, fast von der Größe eines halben Menschenkopfs litt, sah sich genöthigt, gegen ihr Uebel, welches von öfterer Erstickungsgefahr begleitet war, bei mir Hülfe zu suchen. Alle bekannten, wirksamen Mittel waren früher vergebens angewendet worden, der Kropf wuchs ohne Aufenthalt und machte das Leben zur unerträglichen Last. Wegen der Größe der Geschwulst war ein Ausschneiden derselben, welche überhaupt bei den meisten Kropfarten mit Lebensgefahr verbunden ist, nicht zu unternehmen. Ich beschloß daher, den Kropf durch ein Haarseil in Eiterung zu setzen und dadurch eine Schmelzung desselben herbeizuführen. Nachdem die Kranke drei Minuten lang die Aetherdämpfe eingeathmet hatte, wurde sie empfindungslos, das Bewußtsein war noch zum Theil vorhanden. Jetzt durchstach ich schnell den Kropf in seiner Mitte und führte das Haarseil hindurch. Unmittelbar nach der Operation war die Kranke wieder bei vollem Bewußtsein und gab an, sich des Operationsaktes dunkel bewußt gewesen zu sein, und nur geringe Schmerzen empfunden zu haben.